Luchse - Willkommen zu Hause

Auf leisen Pfoten schleicht der Luchs durch sein Revier – und bleibt dabei für andere Waldbewohner und uns Menschen meist unsichtbar. Denn die größte Raubkatze Europas ist auch ein Meister der Tarnung. Heute leben wieder Luchse bei uns – vor allem, weil sie neu angesiedelt werden. Der WWF hilft mit!

Neues aus dem Luchs-Projekt

© WWF + Robert Guenther / WWF

Die Luchsin Frieda und der Luchs Viorel sind die ersten beiden Luchse, die am 15. Mai 2024 in Thüringen erfolgreich ausgewildert wurden. Frieda stammt aus dem deutschlandweit ersten Luchsgehege im Wildkatzendorf Hütscheroda. Viorel kommt aus den rumänischen Karpaten, einem ähnlich großen Gebirge wie die Alpen..

Vor ihrer Freilassung wurden beide Luchse für zwei bis vier Wochen in einem Auswilderungsgehege gehalten. So konnten die Tiere sich sanft an ihre neue Umgebung gewöhnen. In zwei getrennten Gehegeteilen konnten sich Frieda und Viorel außerdem schon vor ihrer Freilassung gegenseitig beschnuppern.

Beide Luchse wurden mit GPS-Sendehalsbändern ausgestattet, um ihre Bewegungen in den ersten Monaten nach der Freilassung überwachen zu können. Mehr über das Luchs-Projekt in Thüringen erfährst du am Ende dieser Seite.

Wie leben die Luchse?

Lautlos und fast unsichtbar

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Die meisten Menschen werden Luchse nie zu Gesicht bekommen. Denn sie sind wie Geheimagenten! Sie leben heimlich, still und leise in dichten Wäldern. Dabei hilft ihnen ihr Fell, das im Gebüsch wie ein Supertarnanzug wirkt. Was wir finden, sind meist nur ihre Spuren.

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Der Eurasische Luchs gehört neben dem Wolf und dem Bär zu den heimischen Beutegreifern, die in Deutschland vor mehr als 100 Jahren komplett ausgerottet wurden – vor allem, weil sie gelegentlich Schafe und Ziegen töteten.

Glücklicherweise stehen sie heute unter Naturschutz und dürfen nicht mehr gejagt werden.

Inzwischen leben wieder rund 135 erwachsene und fast 60 junge Luchse in Deutschland (Stand 2020). Sie sind aus Osteuropa zugewandert oder wurden neu angesiedelt wie kürzlich in Thüringen. Zuvor hatte der WWF bereits im Pfälzerwald mitgeholfen, dass dort Luchse wieder zu Hause sind.

So wurden Luchse im Pfälzerwald ausgewildert

© Martin Greve / SNU / RLP / Video: WWF

Inzwischen wurden noch weitere Luchse ausgewildert. Mehr dazu erfährst du weiter unten.

Wenn es dunkel wird, geht er auf Beutejagd

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Luchse gehen auf die Jagd, sobald die Dämmerung einsetzt. Im Dunkeln hören und sehen Luchse so gut wie kaum ein anderes Tier. Am häufigsten jagen sie Rehe. Auf ihrem Speiseplan stehen aber auch Hasen, junge Hirsche und Wildschweine, Füchse, Marder und Vögel.

Hat der Luchs ein Beutetier erspäht, schleicht er sich aus dem Dickicht bis auf wenige Meter heran oder wartet still und leise, bis das Tier an seinem Versteck vorbeikommt.

Dann springt er blitzschnell auf seine Beute und tötet sie durch einen Biss in die Kehle.

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Ein Reh ist dem Luchs zu groß, um es in einer Nacht zu verspeisen. Es reicht ihm fast für eine Woche. Solange kehrt er immer wieder zu seiner Beute zurück, um zu fressen. Damit sie kein anderes Tier entdeckt, bedeckt er sie mit Laub und Moos.

Ein ausgewachsener Luchs braucht rund ein Kilogramm Fleisch pro Tag.

Bauplan der Natur

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Daran erkennst du einen Luchs

• An den Pinselohren mit schwarzen Haarbüscheln an den Spitzen. Vermutlich wirken sie wie Antennen, um Geräusche besser zu orten. Luchse hören eine Maus auf 50 Meter und ein Reh auf 500 Meter Entfernung!

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• Am Backenbart, der vermutlich ebenfalls beim Hören hilft. Wie eine Art Trichter fängt er Geräusche ein und leitet sie in Richtung Ohren.

 

• Am Stummelschwanz, 10 bis 20 Zentimeter kurz mit schwarzem Ende.

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• An den etwas längeren Hinterbeinen, ideal für das Sprinten und Springen.

• An den breiten Tatzen, prima für einen sicheren Gang auf Eis und Schnee. Ein dichtes Haarpolster unter der Sohle schützt die Tatzen vor Kälte.

© Tomas Hulik / WWF
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• An den Pfotenabdrücken: Luchse ziehen beim Laufen ihre Krallen ein. In den Fußabdrücken des Luchses (bis zu 10 Zentimeter groß) siehst du deshalb keine Krallenabdrücke. Erkennst du die Spur des Luchs in unserem Tierspurenspiel?

Was ist noch besonders beim Luchs?

Die Augen des Luchses sind sechsmal so lichtempfindlich wie die des Menschen. Damit kann er Beutetiere schon aus 300 Metern Entfernung erkennen. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung, wenn wir Menschen alles nur grau in grau sehen.

© Robert Guenther / WWF
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Achtung, Raubtiergebiss! Mit den vier spitzen Eckzähnen werden Beutetiere gefangen und festgehalten. Mit den scharfen, spitzen Backenzähnen zerkleinert der Luchs seine Nahrung.

Rund um die Schnauze sitzen dicke Schnurrhaare. Mit ihnen nimmt der Luchs kleinste Veränderungen in seiner Umgebung wahr. So merkt er auch, wenn der Wind seine Richtung ändert.

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Schon gewusst?

Luchse haben – wie andere Katzen auch – kein verknöchertes Zungenbein wie etwa der Löwe. Sie können daher nur miauen, heulen und schreien (und schnurren wie unsere Hauskatzen), aber nicht brüllen wie ein Löwe.

Steckbrief Eurasischer Luchs

Größe und Gewicht: Bis zu 1,20 Meter lang, bis zu 70 Zentimeter hoch und meist bis zu 29 Kilogramm schwer.
Alter: In freier Wildbahn bis zu 17 Jahre.
Lebensraum: Wälder, am liebsten mit Felsen.
Verbreitung: Europa, Zentralasien bis Ostasien.

© Tomas Hulik / WWF
© WWF

Lebensweise: Luchse sind Einzelgänger. Nur in der Paarungszeit von Februar bis April suchen Männchen und Weibchen die Nähe zueinander – durch laute Rufe.

Revier: Luchsreviere sind bei uns in Europa zwischen 50 und 400 Quadratkilometern groß (das ist fast so groß wie Köln). Die Reviere der Luchsmännchen sind häufig größer als die der Weibchen und überlappen mehrere Weibchenreviere.

Ausdauer: Auf den nächtlichen Streifzügen durch sein Revier legt der Luchs bis zu 20 Kilometer lange Strecken zurück. Auf kurzen Strecken kann er bis zu 70 Stundenkilometer schnell rennen.

Beute: Vor allem Rehe, aber auch Füchse, Marder und junge Wildschweine, selbst junge Rothirsche.

Bestand: Etwa 50.000 Tiere weltweit, davon rund 7.000 Tiere in Europa. In Deutschland leben aktuell etwa 135 erwachsene und fast 60 Jungtiere (Stand 2020).

 

Bist du so schwer wie ein Eurasischer Luchs?

Vergleiche dein Gewicht mit einem Eurasischen Luchs!

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© David Lawson / WWF UK

Die Luchs-Familie

Nach einer Tragzeit von etwa 70 Tagen bringt die Mutter in einer Höhle ein bis vier Jungtiere zur Welt. Die Luchsjungen wiegen nur etwa 250 Gramm (so viel wie ein Päckchen Margarine) und sind die ersten 12 bis 16 Tage noch blind.

Sie werden von der Mutter gesäugt und auch mit Fleisch versorgt. Nach zwei bis drei Wochen entdecken sie gemeinsam die Umgebung und lernen von ihrer Mutter das Jagen. Im Alter von 6 bis 7 Monaten haben sie schon ein Gewicht von 7 bis 9 Kilogramm und versuchen zum ersten Mal, selbst zu jagen.

Nach einem knappen Jahr müssen die Jungen sich ein eigenes Revier suchen, denn dann ist wieder Paarungszeit. Mit zwei bis drei Jahren können die Jungtiere selbst Kinder zeugen.

Schon gewusst?

Der männliche Luchs wird Kuder genannt. Ein weiblicher Luchs heißt Katze.

Es gibt vier verschiedene Luchsarten auf der Welt:

1 Der Kanadische Luchs

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2 Der Rotluchs

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3 Der Pardelluchs

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4 Der Eurasische Luchs

© Ralph Frank / WWF

1 Der Kanadische Luchs ist in den Wäldern Kanadas und Alaskas zu Hause. Mit seinen breiten Tatzen kann er sicher über Schnee und Eis laufen ohne auszurutschen. Sein dichtes, langes Fell hält ihn auch im eiskalten Winter warm. Bevorzugte Beute: Schneeschuhhasen.

2 Der Rotluchs lebt in Nordamerika – von Kanada über die USA bis Mexiko. Dort lebt er in Wäldern, Mooren, Halbwüsten, Wüsten und sogar in Städten. Bevorzugte Beute: Hasen und Kaninchen.

 

3 Der Pardelluchs wird auch Iberischer Luchs genannt, weil er auf der Iberischen Halbinsel lebt. Also dort, wo Spanien und Portugal liegen. Seine Heimat sind offene Landschaften. Der Pardelluchs ist sehr selten. Sein Bestand hat sich aber erholt. Aktuell leben offenbar wieder mehr als 1.000 Tiere in freier Wildbahn. Bevorzugte Beute: Wildkaninchen.

4 Der Eurasische Luchs lebt in Skandinavien, Osteuropa und Asien und dort vor allem in Wäldern. Er ist die einzige große Raubkatze Europas in freier Wildbahn. Auch bei uns in Deutschland ist er wieder zu Hause. Er fühlt sich dort wohl, wo er viel Platz hat. Bevorzugte Beute: Rehe.

Luchse in Not

© Robert Guenther / WWF
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Die Rote Liste Deutschland sagt: Der Eurasische Luchs ist „vom Aussterben bedroht“. Was es damit auf sich hat und was die einzelnen Farben bedeuten, erfährst du hier.

Was bedroht den Luchs?

1. Zerteilung der Wälder: Luchse brauchen große, zusammenhängende Waldgebiete, in denen sie ungestört leben, jagen und sich fortpflanzen können. Heute gibt es aber in Deutschland meist Wälder, die weit voneinander entfernt und durch Äcker, Straßen, Dörfer und Städte zerteilt sind.  Dadurch ist es für die Luchse schwer, Partner zutreffen und ihren Lebensraum zu erweitern.

 

© Wild Wonders of Europe / Ruben Smit / WWF
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2. Zu viele Straßen und Schienen: Luchse wandern viel herum. Junge Luchse suchen ein neues Revier und erwachsene Tiere einen Partner oder Partnerin. Dabei müssen sie gefährliche Straßen oder Bahngleise überqueren und können überfahren werden.


3. Wilderei: Früher wurden Luchse gejagt und ausgerottet. Aber auch heute noch werden eingewanderte und wieder ausgewilderte Luchse gefangen, erschossen oder vergiftet, obwohl das streng verboten ist. Auch dieser Luchs im Bild wurde von Wilderern getötet.

© Luchsprojekt Bayern

Doch der Luchs hat eine zweite Chance: In Wäldern, die noch groß und dicht sind, wird er wieder angesiedelt – auch mit Hilfe des WWF.

Zurück nach Hause

© Martin Greve / SNU RLP

Wir haben mitgeholfen, den Luchs zurückzuholen in Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet, den Pfälzerwald. Dort gibt es nur wenige Straßen und viele Rehe und Rothirsche – prima Bedingungen für die Luchse.

 

Gemeinsam mit der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz und vielen anderen Projektpartnern haben wir von 2016 bis 2020 mitgeholfen, im Pfälzerwald insgesamt 20 Luchse auszuwildern, also wieder anzusiedeln. Fühlen sich die Luchse dort wohl, können sie sich vermehren und immer weiter ausbreiten.

© A. Pruessing / SNU
© Cornelia Arens / KLICK Faszination / SNU RLP

Alle Luchse, die im Pfälzerwald freigelassen wurden, sind in der Slowakei oder der Schweiz eingefangen worden. Nach ihrem Fang wurden sie tierärztlich untersucht und geimpft. Sie und ihre Artgenossen sollen gesund bleiben.

Die Luchse haben ein GPS-Sendehalsband angelegt bekommen. Damit können ihre Wege über Funk genau nachverfolgt werden.

Die Projektmitarbeitenden überprüfen, wo sich die Luchse befinden und wie sie sich in ihrer neuen Umgebung verhalten. Dabei helfen neben den GPS-Halsbändern auch Fotofallen, die im Wald aufgehängt wurden.

 

© Robert Guenther / WWF
© FAWF SNU

Und so sieht eine Nachtaufnahme eines Luchses aus, der eine Fotofalle ausgelöst hat.

Wir informieren auch die Bevölkerung in der Umgebung der Luchsgebiete – im Unteren Donautal zum Beispiel durch ein Info-Haus. Oder durch den Einsatz von Luchs-Fachleuten in Schulklassen und Kitas. Damit alle Menschen in der Umgebung wissen, wie man mit der wilden Katze leben und sie schützen kann. Und dass sie keine Angst zu haben brauchen, denn Luchse greifen keine Menschen an.

© Karl Gutzweiler / WWF
© GettyImages

Auch für den Schutz von Nutztierherden setzt sich der WWF ein. Herdenschutzhunde helfen. Meist genügen aber Elektrozäune und Blinklichter, um Luchse von Schafen abzuhalten. Falls doch einmal ein Nutztier von einem Luchs erbeutet wird, sollen Landwirtinnen und Landwirte als Ersatz Geld erhalten.

Das Projekt im Pfälzerwald war erfolgreich: Mindestens 20 kleine Luchse wurden seit der Wiederansiedlung dort geboren.
© Alexander Sommer / SNU RLP

Neues Projekt in Thüringen

Jetzt im Jahr 2024 hat der WWF begonnen, zusammen mit Partnern auch im Thüringer Wald Luchse anzusiedeln. Warum dort? Der Thüringer Wald liegt ideal. Drumherum sind Luchse bereits heimisch geworden: im Harz (Norden), in Ostbayern (Süden) und im tschechischen Nationalpark Sumava (Osten). Wenn es auch wieder Luchse im Thüringer Wald gäbe, könnten die getrennten Luchsgruppen miteinander in Kontakt kommen und sich ganz natürlich vermehren.

© Jochen Schaub / WWF

Die Voraussetzungen dafür sind gut: im Thüringer Wald gibt es wilde Waldgebiete, in denen es genügend Beutetiere für Luchse gibt – vor allem Rehe, junge Hirsche und Hasen. Deshalb haben der WWF und seine Partner ein großes Ziel: Bis 2027 sollen insgesamt bis zu 20 Luchse im Thüringer Wald ausgewildert werden.

Unser Projekt in Thüringen soll mithelfen, dass Luchse sich bald wieder von allein in Deutschland vermehren können.

© Luchs Thüringen
© Luchs Thüringen

Kurz nach der Auswilderung im Mai 2024 konnte Frieda von einer Kamerafalle fotografiert werden. Das systematische Überwachen mit Fotofallen ist – neben den GPS-Daten der Halsbänder – ein wichtiges Werkzeug, um auf die ausgewilderten Luchse aufzupassen.

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Seepferdchen – die Elfen der Meere