Welche Tiere und Pflanzen sind bedroht? Die Rote Liste sagt's

Wenn Tierarten und Pflanzenarten auf der Welt selten geworden sind, kommen sie auf die Rote Liste der gefährdeten Arten. Wie viele sind es aktuell 2021? Und sind alle Arten gleich bedroht? Wir sagen es dir.

Was ist die Rote Liste?

Die Roter Liste zeigt, welche Tier- und Pflanzenarten bedroht sind – und wie stark sie bedroht sind.

Wer macht die Rote Liste?

Die Rote Liste für die gefährdeten Tier- und Pflanzenarten auf der ganzen Welt wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) herausgegeben.

Außerdem gibt es eine Rote Liste für bedrohte Tier- und Pflanzenarten nur in Deutschland, die führt das Bundesamt für Naturschutz in Bonn. Auch jedes Bundesland wie Bayern oder Niedersachsen hat eine eigene Rote Liste.

© WWF

Viele Fachmenschen und freiwillige Helferinnen und Helfer zählen oder schätzen regelmäßig die Bestände von Tierarten und Pflanzenarten und schreiben das in Listen auf. Die vergleichen sie dann mit den alten Listen. Dann sehen sie, ob es mehr oder weniger Tiere oder Pflanzen einer Art gibt.

Wozu wird die Rote Liste verwendet?

Sie zeigt uns, für welche Tierarten oder Pflanzenarten wir uns besonders anstrengen müssen, damit sie nicht aussterben.
© naturepl.com / Mark Carwardine / WWF

Die Rote Liste macht auch Politikerinnen und Politikern klar, welche Tierarten und Pflanzenarten sie künftig besser durch das Gesetz schützen müssen. Gesetzlich geschützte Pflanzen dürfen dann zum Beispiel nicht mehr gepflückt werden. Und wo gefährdete Tiere leben, darf nicht mehr so einfach eine Straße gebaut werden.

Warum sind Arten überhaupt bedroht?

Viele Arten werden gewildert und verlieren ihren Lebensraum, weil Wälder gerodet und Straßen oder Siedlungen gebaut werden. So wie Elefanten in Afrika. Andere wie Insekten oder Vögel werden durch giftige Pflanzenschutzmittel auf Feldern verdrängt. Wieder andere kommen mit dem Klimawandel nicht klar wie zum Beispiel manche Bäume.
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Sind alle Arten gleich bedroht?

Nein, es gibt Unterschiede. Manche Arten sind nur leicht gefährdet, andere sind vom Aussterben bedroht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben die Bedrohung einer Art deshalb in verschiedene Stufen eingeteilt.

Dafür untersuchen sie zum Beispiel die Größe des Bestandes einer Art, wie gut und schnell sich die Tiere oder Pflanzen vermehren können, wie sie verbreitet sind (in vielen Gebieten oder nur noch in wenigen kleinen "Inselchen") und wie rasch der Bestand schrumpft.

Wie gefährdet genau jede untersuchte Art ist, steht dann in der Roten Liste. Die wird regelmäßig überprüft und erneuert.

Das bedeuten die Gefährdungsstufen:

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Was steht in der neuen Roten Liste?

© naturepl.com / Andy Rouse / WWF

Im September 2021 hat die Weltnaturschutzunion IUCN die neue aktuelle Rote Liste herausgegeben.

Dafür haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler insgesamt 138.374 Tier- und Pflanzenarten untersucht. Davon sind 38.543 Arten bedroht, fanden sie heraus. Das sind mehr als jemals zuvor.

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Der Waldelefant (Bild oben) ist „vom Aussterben bedroht“. Seine Bestände sind in rund 30 Jahren um mehr als vier Fünftel zurückgegangen. Der Afrikanische Savannenelefant gilt als „stark gefährdet“. Seine Bestände schrumpfen um drei Fünftel in 50 Jahren. Viele der Dickhäuter wurden Opfer der Wilderei.

© Michel Gunther / WWF

Zahlreiche Echsen, Geckos und Schildkröten sind nun bedrohter als noch vor zwie Jahren. Dazu gehört zum Beispiel Cantors Riesenweichschildkröte oder die Riesen-Erdschildkröte. Beide sind jetzt "vom Aussterben bedroht". Aber auch die Lederschildkröte (im Bild) bleibt weiter gefährdet, zum Beispiel durch herumtreibende Fischernetze, in denen sie sich verheddert. Wenn ein Tier Glück hat und rechtzeitig entdeckt wird, kann es von Helfern befreit werden.

© Ola Jennersten / WWF Schweden

Schlechter geht es auch dem Komodowaran (Bild oben). Die Art ist jetzt als „stark gefährdet“ bewertet (zuvor: „gefährdet“). Mit einer Körperlänge von maximal drei Metern und einem Gewicht von mehr als 70 Kilogramm ist er einer der größten Echsen der Erde.

© Wildlife Pictures / Jêrome Mallefet / WWF
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Von fast 1200 Arten von Haien und Rochen sind jetzt ein Drittel vom Aussterben bedroht – zum Beispiel der Weiße Hai und der Geigenrochen. Vor 7 Jahren war es erst ein Viertel aller Hai- und Rochenarten.

 

Überfischung ist der Hauptgrund für den Rückgang der Bestände, aber auch zerstörte Lebensräume und die Klimakrise machen den Fischen zu schaffen. Haie und Rochen leben schon seit 450 Millionen Jahren auf der Erde.

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Von 107 Lemurenarten sind 103 bedroht, darunter das Aye-Aye (Bild oben) – weil sie gejagt und ihre Wälder für Landwirtschaft gerodet werden. Die meisten Lemurenarten leben auf der Insel Madagaskar.

Der Venezuela-Kapuzineraffe war bis jetzt nicht bedroht, jetzt ist „stark gefährdet“. Denn sein Wald-Lebensraum in Nord-Venezuela wird stark abgeholzt.

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Bei uns in Deutschland und der EU sind die Feldhamster streng geschützt. Doch die kleinen Nager bekommen immer weniger Nachwuchs. Das liegt vermutlich an der industriellen Ladnwirtschaft, vielleicht aber auch an zu viel Nachtlicht in dicht besiedelten Gebieten.

© WWF

Die neue Rote Liste zeigt wieder: Wir müssen das Artensterben stoppen. Eine intakte Natur ist ganz wichtig für uns Menschen. Deshalb fordert der WWF alle Staaten der Welt auf, bis zum Jahr 2030 unsere biologische Vielfalt so zu schützen, dass keine Arten mehr aussterben. Zugleich muss rund ein Drittel der Erde, die wichtigsten Lebensräume der meisten Arten, unter Schutz gestellt werden.

Manchmal gibt es auch gute Nachrichten

2018 gab es neben Verlierern auch einige Gewinner unter den Arten:

Berggorillas geht es besser

Berggorillas geht es besser
© Martin Harvey / WWF

Finnwalen auch

Finnwalen auch
© naturepl.com / Luis Quinta / WWF

Wieder mehr Waldrappe in Marokko

Wieder mehr Waldrappe in Marokko
© Isotti Cambone / Homo Ambiens / WWF

Einigen Giraffen geht es gut, anderen nicht

Einigen Giraffen geht es gut, anderen nicht
© Dr. Andreas Boedecker / WWF

Amazonas-Flussdelfine sind stark gefährdet

Amazonas-Flussdelfine sind stark gefährdet
© naturepl.com

Der Nassau-Zackenbarsch ist vom Aussterben bedroht

Der Nassau-Zackenbarsch ist vom Aussterben bedroht
© Anthony B. Rath / WWF

Die Oryx-Antilope ist stark gefährdet

Die Oryx-Antilope ist stark gefährdet
© iStock / GettyImages

Auch Adlerholz ist bedroht

Auch Adlerholz ist bedroht
© Alain Compost / WWF

Der Rotohr-Ara ist vom Aussterben bedroht

Der Rotohr-Ara ist vom Aussterben bedroht
© GettyImages

Wie viele Arten gibt es?

138.374 Tier- und Pflanzenarten wurden für die aktuelle Rote Liste untersucht. Doch es gibt sehr viel mehr: Rund zwei Millionen Tierarten und Pflanzenarten sind bereits wissenschaftlich beschrieben. Vermutlich gibt es sogar noch viel mehr, die noch nicht entdeckt sind.

Du siehst: Von den allermeisten Arten auf der Welt wissen wir also gar nicht, ob und wie sie bedroht sind. Meist sind es kleine wie Insekten, doch die können auch ganz schön wichtig sein – wie die Bienen.

Leider sind immer mehr Arten gefährdet und viele sind bereits ausgestorben wie der berühmte Tasmanische Wolf (im Bild).

© WWF / Helmut Diller

Deshalb versuchen Naturschützerinnen und Naturschützer wie vom WWF mit ihrer Arbeit, möglichst viele Arten vor dem Aussterben zu bewahren. Dabei hilft ihnen die Rote Liste der gefährdeten Arten.

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