Gewinner und Verlierer 2022

Für viele Arten nehmen die Bedrohungen weiter zu, so dass ihre Bestände schrumpfen. Doch es gibt auch Gutes aus dem vergangenen Jahr zu berichten: Einige Arten haben sich erholt, weil Naturschützerinnen und Naturschützer ihnen geholfen haben.

Auch im Jahr 2022 gab es leider viel mehr Verlierer als Gewinner. Auf der Internationalen Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN stehen aktuell rund 41.500 bedrohte Arten. Das sind mehr als jemals zuvor.

Verlierer 2022 – einige Beispiele

1 Rentier

© Staffan Widstrand / WWF

2 Breitmaulnashorn

© Robin Moore

3 Oderfische und Baltischer Stör

© Zoo Rotterdam / WWF Niederlande

4 Schwebfliegen in Europa

© Florian Lauer / WWF

5 Kaiserpinguin

© Fritz Pölking / WWF

6 Dugong

© Philipp Kanstinger / WWF

7 Wisent im Rothaargebirge

© Jonathan Fieber / igreen media / WWF

1 Rentier: Die weltweit größte Population von Wildrentieren ist von 417.000 Tieren im Jahr 2014 auf 250.000 Tiere geschrumpft. Das zeigen neueste Zählungen, die im Februar 2022 vorgestellt wurden. Die größte Rentiergruppe lebt in der Taimyr-Region in der Russischen Arktis. Eigentlich sind Rentiere wahre Überlebenskünstler, doch gegen die von Menschen gemachte Klimakrise und die Wilderei sind sie hilflos. Mehr über Rentiere hier.

2 Das Breitmaulnashorn ist das größte und mit bis zu 3,5 Tonnen schwerste Nashorn unseres Planeten. Noch ist es auch die zahlenreichste Nashornart. Allerdings gehen die Bestände in Afrika seit Jahren aufgrund der anhaltenden Wilderei zurück: Ende 2021 konnte man nur noch knapp 16.000 ihrer Art zählen. Vor wenigen Jahren waren es noch 18.000 Tiere. Solange immer noch viele Menschen, besonders in Asien, Nashornhorn illegal kaufen, werden die Dickhäuter weiter von Wilderern getötet. Mehr über Nashörner hier.

3 Oderfische und Baltischer Stör: Nach der aktuellen Roten Liste sind alle 26 Arten der Störartigen weltweit akut gefährdet, fast zwei Drittel davon sind sogar direkt vom Aussterben bedroht. Zu den großen Verlierern 2022 gehörten vor allem die Störe und Fische der Oder. Durch die Giftwelle letzten Sommer sind nicht nur viele wiederangesiedelte Baltische Störe ums Leben gekommen. Auch tausende Jungfische anderer Arten starben durch die Giftwelle.

4 Schwebfliegen in Europa: Sie sind wahrhaftige Flugkünstler und können wie ein Kolibri in der Luft stehen und blitzartig von Vorwärts- auf Rückwärtsflug umschalten. Doch auch ihre Flugkünste können nicht verhindern, dass mehr als ein Drittel, nämlich 314 der 890 in Europa bekannten Arten von Schwebfliegen, durch den Klimawandel und die industrielle Landwirtschaft bedroht sind. Um das Insektensterben aufzuhalten, brauchen wir mehr naturverträgliche Landwirtschaft.

5 Kaiserpinguin: Durch den Klimawandel könnten fast alle bekannten Kaiserpinguin-Kolonien bis zum Jahr 2100 verschwinden. Sowohl die Antarktis-Konferenz im Sommer als auch die UN-Klimakonferenz im November 2022 haben es leider versäumt, mehr für den Schutz dieser bedrohten Art auf den Weg zu bringen. Da muss 2023 mehr passieren, um die Pinguine zu retten. Mehr über Pinguine hier.

6 Dugong: Vor der ostafrikanischen Küste gibt es nur noch weniger als 250 ausgewachsene Dugongs, auch Gabelschwanzseekühe genannt. Vor Neukaledonien östlich von Australien sind es weniger als 900. Ein Grund für ihren Rückgang: Das Seegras, von dem sie sich hauptsächlich ernähren, wird besonders durch Grundschleppnetzfischerei und Meeresverschmutzung massiv geschädigt.

7 Wisent im Rothaargebirge: Seit 2013 lebt im Nordrhein-Westfälischen Rothaargebirge eine frei umherstreifende Wisentherde. Doch die Verantwortung für die mittlerweile 25 Tiere möchte niemand übernehmen. Weil die Wisente an Bäumen Schäden verursachen, gibt es Beschwerden. Noch wissen wir nicht, wie es für die Tiere weitergeht. Mehr über Wisente hier.

Gewinner 2022 – einige Beispiele

1 Tiger

© Souvik Kundu / WWF

2 Haie und Rochen

© Antonio Busiello / WWF USA

3 Spix-Ara

© Blickwinkel

4 Banteng in Thailand

© FA / WWF Kambodscha

5 Buckelwal vor Australien

© WWF USA

6 Unechte Karettschildkröte

© Isaac Vega / WWF

1 Tiger: Es gibt wieder deutlich mehr Tiger als vor zwölf Jahren, als der Bestand auf 3.200 Tiere geschrumpft war. Wie viele es genau sind, ist noch nicht sicher. Fest steht aber, dass das Land Nepal besonders erfolgreich im Tigerschutz ist: Dort leben wieder 355 Tiere der bedrohten Großkatzen – fast dreimal mehr, als 2009 geschätzt wurden. Auch die Bestände in Bhutan, Russland, China und dem tigerreichsten Land Indien erholen sich gut. Mehr über Tiger hier.

2 Haie und Rochen: Im November beschloss die Weltartenschutzkonferenz, Grundhaie, Hammerhaie und Geigenrochen besser zu schützen. Demnach ist der internationale Handel mit ihnen nur noch erlaubt, wenn ihre Bestände dadurch nicht gefährdet werden. 9 von 10 aller international gehandelter Hai- und Rochenarten werden dadurch vor unreguliertem und nicht-nachhaltigem Handel geschützt. Mehr über Haie hier.

3 Spix-Ara: Der letzte Spix-Ara in freier Wildbahn verschwand im Jahr 2000. Diese Papageienart wurde illegal gehandelt und sein Lebensraum im brasilianischen Regenwald schrumpfte. Doch in Vogelzuchtanlagen gab es noch einige Spix-Aras. Im Sommer 2022 wurden acht Spixe wieder in ihrer brasilianischen Heimat ausgewildert. Mitte Dezember folgten weitere 12 Tiere. Dank des Nachzuchtprogramms eines Artenschutzvereins bei Berlin war dies möglich geworden.

4 Banteng in Thailand: Das asiatische Wildrind kommt nur noch in kleinen, verstreuten Beständen in Südostasien vor. Auch im Mae Wong-Nationalpark in Thailand wurden die Bantengs in den 1970er Jahren ausgerottet. Der WWF konnte nun einen ersten Erfolg vermelden und nachweisen, dass die Tiere aus einem benachbarten Gebiet dorthin zurückgekehrt sind und sogar Nachwuchs haben.

5 Buckelwal vor Australien: Seine Zahl ist von ehemals 1.500 auf mindestens 40.000 Tiere angestiegen. Ein großer Erfolg für die 13 Meter langen Großwale. Wie ein WWF-Bericht zeigt, gibt es noch immer viele Gefahren auf ihren Wanderwegen in die Antarktis und auch in ihren Lebensräumen. Zu den größten Bedrohungen gehören die Fischerei, Schifffahrt sowie die Belastung durch Lärm, Plastik und Schadstoffe. Mehr über Wale hier.

6 Unechte Karettschildkröte: Die USA und die Kapverdischen Inseln sind zwei der wichtigsten Brutgebiete der Unechten Karettschildkröte. In den letzten Jahren wurden dort so viele Nester wie seit Jahrzehnten nicht mehr gefunden. Allein auf den Kapverden gibt es heute etwa 20-mal mehr Nester als 2015. Dank der Bekämpfung der Wilderei und dank des besseren Schutzes der Niststrände. Mehr über Meeresschildkröten hier.

Tierspuren suchen