Giraffen

Niemand auf der Welt kann so über Land und Tiere hinwegsehen wie die Giraffen. Allein das Bein eines erwachsenen Tieres ist mit 1,80 Meter deutlich länger als du. Wie lebt es sich als Riese? Und warum haben Giraffen dunkelblaue Zungen? Das und vieles mehr verraten wir dir hier.

Wo leben Giraffen?

In Savannen Afrikas. Genauer: südlich der Sahara, fast nur noch im südlichen und östlichen Afrika. Savannen sind Graslandschaften mit wenigen Bäumen. Auf die ist die Giraffe spezialisiert und hat deshalb einen bis zu zwei Meter langen Hals.
© Tania Curry / WWF USA

Ihren Lebensraum teilen Giraffen mit vielen anderen Tieren wie zum Beispiel Elefanten, Nashörnern, Löwen, Zebras und Gazellen.

Schon gewusst?

Giraffen sind bis zu 6 Meter hoch und damit die höchsten an Land lebenden Tiere der Erde.

© Martin Harvey / WWF

Was für ein Hals!

Lange Beine, langer Hals: So kommt die Giraffe locker an die Blätter der Baumkronen, die von unten kein anderes Tier fressen kann.

Der lange Hals hat aber noch mehr Vorteile: Die Giraffe ist sozusagen ihr eigener Aussichtsturm und kann mögliche Feinde, die sich ihr nähern, schon von weitem erkennen – und dann ausweichen oder wegrennen.

Durch den langen Hals haben Giraffen außerdem eine vergrößerte Körperoberfläche und können so gut Wärme abgeben, wenn ihnen zu heiß ist.

Auch wenn der Hals so enorm lang ist: Eine Giraffe hat nicht mehr Halswirbel als andere Säugetiere auch, nämlich ebenso 7 Stück. Ihre sind nur besonders groß.

Futtern, was ganz oben wächst

Giraffen sind Pflanzenfresser. Sie fressen vorwiegend Akazienblätter, aber auch junge Baumtriebe sowie Knospen und Blätter von Büschen.

Zum Abpflücken der Blätter benutzen sie ihre bis zu einen halben Meter lange Zunge. Die Zunge und die Lippen der Giraffen sind dickhäutig. So verletzen sie sich nicht, wenn sie Pflanzen mit spitzen Dornen fressen.

Dann kauen sie die Blätter klein. Als Wiederkäuer schlucken sie ihre Nahrung herunter und verdauen sie. Dann würgen sie die verdauten Teile ihrer Nahrung wieder hoch, um sie im Maul weiter zu zermahlen.

Mit dem Fressen sind sie von morgens bis abends beschäftigt, denn jede erwachsene Giraffe braucht am Tag bis zu 60 Kilogramm Nahrung – das entspricht etwa 250 Äpfeln. Praktisch: Giraffen können lange ohne Trinken auskommen, weil sie saftige Blätter fressen.

© Christiaan van der Hoeven / WWF Niederlande

Schon gewusst?

Der vordere Teil der Zunge ist dunkel gefärbt. Das ist ein Sonnenschutz, den die Giraffen in ihrem häufig sonnig-heißen Verbreitungsgebiet unbedingt brauchen. Wenn die Giraffe mit ihrer langen Zunge stundenlang Blätter zupft, könnte sie sonst leicht einen Sonnenbrand bekommen.

© Ola Jennersten / WWF Schweden

Wie trinkt die Giraffe?

© Martin Harvey / WWF
© Beate Roloff-Beyer

Wenn Giraffen an einer Wasserstelle trinken, müssen sie ihre Beine weit spreizen oder in die Knie gehen, damit sie mit dem Kopf an das Wasser kommen. In diesem Moment können Giraffen leicht von Raubtieren überrascht werden.

Schon gewusst?

Giraffen können mehrere Wochen auskommen, ohne zu trinken – länger als Kamele. Die benötigte Flüssigkeit kommt größtenteils aus ihrer Nahrung, den saftigen Blättern und Früchten.

Welche Giraffen gibt es?

Lange Zeit glaubte man, dass es nur eine Giraffenart gibt. Nach neuer Erforschung des Giraffen-Erbguts scheint es vier Arten zu geben:
 

Nord-Giraffe

© David Lawson / WWF UK

Süd-Giraffe

© Tania Curry / WWF USA

Massai-Giraffe

© Istockphoto.com / W.L. Davies / WWF

Netz-Giraffe

© Ola Jennersten / WWF Schweden

Wer trägt welches Fell?

Die Arten haben meist unterschiedliche Fellmuster, was aber nicht so einfach zu erkennen ist: Alle Giraffen haben ein Netzmuster auf dem Fell. Bei der Netz-Giraffe sind die weißen Linien eher dünn, bei der Nord-Giraffe eher dick. Bei der Süd-Giraffe ist das Muster eher hell. Und bei der Massai-Giraffe sehen die dunkelbraunen Flecken aus wie spitzgeränderte Blätter.

Tarnkleid und Zeckenschreck

© James Morgan / WWF USA

Außerdem hat jede Giraffe, egal welche Art, ihr eigenes typisches Netz-Fellmuster, etwa so wie der Mensch seinen eigenen Fingerabdruck. Die Muster auf dem Fell sind außerdem eine prima Tarnung in der Savanne.

Hinzu kommt: Die dunklen Flecken regulieren die Körpertemperatur der Giraffen. Um jeden Fleck verläuft ein ringförmiges Blutgefäß mit kleineren Gefäßen direkt unter den Flecken. Dadurch wird Körperwärme über die dunklen Flecken abgegeben.

Und noch eine Besonderheit: Das Giraffenfell riecht stark, für uns Menschen ein wenig streng. Der Geruch entsteht durch Stoffe, die ganz praktisch Bakterien oder Pilze bekämpfen oder Zecken abschrecken.

Schon gewusst?

Zur Familie der Giraffenartigen gehört noch das Okapi, auch Waldgiraffe genannt. Es lebt im dichten Regenwald Zentralafrikas. Es wird bis zu 2,1 Meter lang und hat keinen so langen Hals wie die Giraffe. Das Okapi wird auch nicht so groß, seine Schulterhöhe ist 1,8 Meter.

© naturepl.com / Jabruson / WWF

Bauplan der Natur

© Martin Harvey / WWF

Größe: Bis zu 6 Meter hoch.

Gewicht: Weibchen bis 1.200 Kilogramm und Männchen bis 1.900 Kilogramm.

Alter: Über 20 Jahre in der Wildnis, in Zoos bis 36 Jahre.

Kopf: Giraffen haben zwei zapfenartige Hörner auf der Stirn, die meist mit Haut und Haarpuscheln bedeckt sind. Wir wissen nicht, wozu sie dienen. Womöglich helfen sie bei der Abgabe von Wärme.

Starkes Herz: Es muss das Blut durch den langen Hals bis hoch in den Kopf und das Gehirn der Giraffe pumpen. Kein Wunder, dass Giraffen den höchsten Blutdruck unter den Säugetieren haben.

Magen: Giraffen sind Wiederkäuer wie unsere Rinder. Ihr Magen besteht aus vier hintereinander liegenden Kammern, in denen die Mahlzeiten "auseinandergenommen" und alle Nährstoffe herausgelöst werden. Dadurch verdauen und verwerten Giraffen die Pflanzenkost viel besser als mit einem Magen.

Hufe: Giraffen sind Paarhufer. Sie haben eine gerade Anzahl an Zehen.

Ohren: Mit ihrem sehr guten Gehör können Giraffen besonders tiefe Töne wahrnehmen, die wir Menschen nicht hören. Über diese sogenannten Infraschalltöne sprechen Giraffen auch miteinander.

© Patrick Bentley / WWF USA

Augen: Sind durch lange Wimpern vor Staub und Dornen geschützt. Giraffen können jedes Auge einzeln schließen und öffnen.

© Diana Rudenko / WWF

Nase: Giraffen können hervorragend riechen.

Zunge: Sie kann bis zu einem halben Meter lang werden, so dass Giraffen sich damit sogar die Augen reiben können. Weil die Zunge  dickhäutig ist, können sie sogar die Dornen der Akazienbäume mitfuttern.

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Hals: Allein der Hals der Giraffe kann bis zu zweieinhalb Meter lang werden – so lang wie bei keinem anderen Tier.

© Martin Harvey / WWF

Schwanz: Mit ihm vertreiben Giraffen Insekten, die sich auf ihrem Hinterteil niederlassen wollen. Er ist etwa einen Meter lang und hat an der Spitze einen dunklen Haarpuschel.

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Beine: Giraffen laufen im Passgang. Dabei werden gleichzeitig die beiden linken oder die beiden rechten Beine angehoben und versetzt,
während die anderen Beine am Boden sind.

 

 

© Jonathan Caramanus / WWF

Schon gewusst?

Giraffen erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von 56 Stundenkilometern.

Wie Giraffen leben

© Rex Lu / WWF

Giraffen haben keine festen Reviere. Auf der Suche nach Nahrung durchstreifen sie aber meistens ein festes Gebiet, das bis zu 160 Quadratkilometer groß ist. Das ist ungefähr so groß wie Berlin und Hamburg zusammen.

Giraffenweibchen leben mit ihren Jungtieren meist in kleinen Gruppen mit bis zu sechs Tieren zusammen. Ausgewachsene Männchen sind allein oder gemeinsam mit anderen Männchen unterwegs. Nur in der Paarungszeit schließen sie sich den Weibchen an. Die Männchen kämpfen dann gegeneinander um die Giraffenkühe, indem sie ihre Hälse aneinanderschlagen.

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Giraffenkinder

© Michael Poliza WWF

Etwa 15 Monate nach der Paarung kommt meist ein Giraffenjungtier zur Welt. Das Weibchen steht bei der Geburt. Das Neugeborene fällt aus einer Höhe von etwa zwei Metern auf die Erde. Es verletzt sich aber nicht dabei. Ein Giraffenjunges ist bei der Geburt bereits fast zwei Meter groß. So erreicht es mit dem Maul das Euter der Mutter, um Milch zu trinken. Schon wenige Stunden nach der Geburt kann es laufen.

In den kommenden Wochen lernt das Jungtier, neben der Muttermilch zu trinken auch immer öfter Blätter zu knabbern.

Das Jungtier bleibt etwa zwei Jahre bei seiner Mutter. Giraffenmütter und ihre Kälber leben manchmal in "Kindergartengruppen" zusammen. Darin bleibt immer eine Giraffenmutter bei den Kälbern einer Herde, während die anderen Giraffenmütter umherstreifen oder fressen.

Mit drei Jahren verlassen die Männchen die Gruppe, die Weibchen bleiben meist in der Nähe der Mutter. Mit vier bis fünf Jahren werden junge Giraffen geschlechtsreif, mit sechs Jahren erreichen sie die volle Größe.

 

© Martin Harvey / WWF

Wie schlafen Giraffen?

© Greg Armfield / WWF UK

Weil das Aufstehen für Giraffen schwierig ist, schlafen sie meistens im Stehen. Giraffen haben einen sehr leichten Schlaf, damit sie schnell aufwachen und weglaufen können, wenn Gefahr droht. Ihnen genügen auch nur rund vier Stunden Schlaf, verteilt über Tag und Nacht. Dabei schlummern sie immer nur wenige Minuten am Stück.

Gefahr im Schlaf droht den Giraffen von den Raubtieren der Savanne wie Löwen, Leoparden, Hyänen und Wildhunden. Gegen sie verteidigen sich ausgewachsene Giraffen mit Tritten ihrer Hufe. Deshalb greifen Raubtiere meist junge Giraffen und verletzte Tiere an.

© WWF

Giraffen in Not – was bedroht sie?

© NACSO / WWF

Die Zahl der Giraffen hat in den letzten Jahrzehnten um mehr als ein Drittel abgenommen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Immer mehr Land wird für Häuser, Straßen, Felder und Viehweiden genutzt. Immer mehr Zäune werden gebaut. So haben die Giraffen weniger Platz und sie müssen bei ihren Wanderungen zu ihren Futterbäumen und Wasserstellen gefährliche Straßen überqueren. Giraffen werden auch getötet, weil sie Felder zerstören. Oder sie werden gewildert, um ihr Fleisch zu essen oder ihre Haut zu nutzen.

Hinzu kommt die Klimakrise. Seit vielen Jahren gibt es in einigen Regionen Afrikas große Dürren. Es regnet dort über einen langen Zeitraum viel weniger als gewöhnlich oder gar nicht. Dadurch steigen die Temperaturen. Viele Bäume, Sträucher und andere Pflanzen sterben ab und Wasserstellen trocknen aus.

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© WWF


Deshalb hat die Weltnaturschutzunion IUCN Giraffen auf der Roten Liste für gefährdete Tier- und Pflanzenarten seit 2016  als „gefährdet“ eingestuft.

Mehr über die Rote Liste erfährst du hier.

Der WWF im Einsatz

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Der Amboseli-Nationalpark liegt im Süden Kenias und ist das Zuhause von rund 2.500 Massai-Giraffen und anderer seltener Arten. Doch die Heimat der Giraffen ist bedroht. Immer mehr Landwirtschaft, wachsende Städte und große Straßen lassen ihren Lebensraum schrumpfen.

Unser Plan:

Der Amboseli-Nationalpark soll erhalten bleiben. Der Park selbst ist allerdings zu klein für so viele Tiere, deshalb wollen wir die Natur rings um den Park besser schützen. Wir wollen verhindern, dass das Land um den Park verkauft, mit Häusern und Straßen zugebaut oder eingezäunt wird. Dazu arbeiten wir mit Gemeinden zusammen, denen Land gehört. Wir helfen ihnen dabei, neue Gemeindeschutzgebiete zu gründen und das Land beispielsweise als Weide so zu nutzen, dass es nicht zerstört wird.

Was ist ein Gemeindeschutzgebiet?

Ein Gebiet, das einer Gemeinde gehört und zugleich Schutzgebiet werden soll. So werden Lebensräume für Wildtiere wie die Giraffen erhalten.

© WWF Kenia

Oft stehen im Schutzgebiet Zäune, die eine große Gefahr für die Tiere sind. Hier wird einer der Zäune entfernt.

Damit die Wildtiere in den Schutzgebieten vor Wilderei geschützt sind, bildet der WWF Menschen aus den Gemeinden zu Wildhüterinnen und Wildhütern aus.

© Ami Vitale
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Der WWF hilft den Gemeinden, Unterkünfte für Touristinnen und Touristen zu errichten, die das Land und die Tiere kennenlernen möchten. Durch den Tourismus entstehen neue Arbeitsplätze. Die Gemeinden können gleichzeitig Geld verdienen und die Natur und Tiere schützen.

Auch du kannst den Giraffen helfen

© Shutterstock / Rob Hainer / WWF Schweden

Zum Beispiel so:

  • Halte in der Schule ein Referat über Giraffen. So erfahren auch deine Mitschülerinnen und Mitschüler mehr über diese tollen Tiere und durch was sie bedroht sind.
  • Mache einen Flohmarkt oder eine andere Spendenaktion für die Giraffen. Hier erfährst du mehr darüber, wie du das hinkriegst.
  • Gestalte ein T-Shirt mit Giraffen drauf und zeige so allen, dass du dich für sie einsetzt!

Du willst noch mehr über Giraffen erfahren?

Für WWF Junior Mitglieder ab 8 Jahren gibt es weitere spannende Infos im neuen WWF Junior Magazin 1/22.

Zum Beispiel, wo überall in Afrika noch Giraffen leben. Oder was Afrikakenner Johannes vom WWF über seine Arbeit mit Giraffen erzählt.

Mach ein lustiges Savannen-Sudoku oder koche mal wie im Giraffenland Tansania: Ugali ist unser Lecker-Schmecker-Tipp!

© WWF + © Shutterstock Rob Hainer WWF Schweden
© WWF + GettyImages

Das Magazin für Minis: Komm mit zu den Giraffen

Als WWF Junior Mitglied bis 7 Jahre zeigen wir dir in deinem WWF Junior Magazin Mini 1/22, wo und wie Giraffen leben. Begleite zum Beispiel die kleine Giraffe durch ihren Tag. Probiere aus, wie du ganz leicht eine Giraffe malen kannst und bastle dir eine schicke Giraffenkette.

Mach mit bei unserem Giraffen-Quiz: Mit etwas Glück kannst du ein schickes Schulranzen-Set aus der WWF-Kollektion von Step by Step gewinnen.

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