Sind Faultiere wirklich faul? Aus unserer hektischen Menschensicht bestimmt. Aber in Wirklichkeit sind Faultiere einfach nur sehr laaaaangsaaaam. Ein Faultier bewegt sich fast immer in Zeitlupe.

Wenn ein Faultier durch die Bäume hangelt, ist es meist mit einer Geschwindigkeit von acht bis zehn Metern pro Minute unterwegs. Warum ist ein Faultier so langsam? Ganz einfach: So spart es Energie – und ist zugleich gut getarnt, weil langsame Bewegungen im Blätterdach einem Fressfeind kaum auffallen.

Die meiste Zeit bewegen Faultiere sich überhaupt nicht. Denn sie schlafen etwa 15 bis 18 Stunden am Tag.

Die Nahrung passt zur Lebensweise – oder umgekehrt

Faultiere leben in den Baumkronen der tropischen Regenwälder von Mittelamerika bis zum südlichen Brasilien. Dort hangeln sie sich an ihren Hakenklauen durch das Geäst.

Dabei baumelt ihnen ihre Nahrung bequemerweise oft direkt ins Maul: Faultiere fressen hauptsächlich Blätter, je nach Art aber manchmal auch Blüten und Früchte oder sogar Eier und kleine Tiere.

Die Blätter wachsen in ausreichender Menge um sie herum, so dass Faultiere die Bäume kaum verlassen müssen. Allerdings sind die Blätter der Baumkronen nicht besonders nahrhaft. Ein Tier, das sich fast ausschließlich davon ernährt, muss mit seiner Energie sparsam umgehen. Langsamkeit hilft dabei.

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Nur einmal in der Woche aufs Klo

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Zum Verdauen ihrer faserigen Nahrung brauchen sie bis zu sieben Tagen. Deshalb müssen sich Faultiere nur etwa einmal in der Woche entleeren. Dazu klettern die meisten Faultiere auf den Boden. Dort aber sind sie noch langsamer. Das macht sie zur leichten Beute für Raubtiere wie den Jaguar. Oben im Baum hingegen kann sich das Faultier mit seinen scharfen Krallen und Eckzähnen besser wehren – und wird durch seine langsame Bewegung und Tarnfarbe meist erst gar nicht entdeckt.

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Ans Abhängen angepasst

Die langen, gebogenen Krallen ihrer Vorderpfoten geben Faultieren Halt im Baum. Zugleich können sie Zweige und Blätter zu sich heranziehen.

An der Anzahl dieser Krallen und Finger an den Vorderpfoten unterscheidet die Biologie die beiden Faultiergattungen Zweifinger-Faultiere und Dreifinger-Faultiere. An ihren Hinterpfoten haben alle Faultiere drei Zehen.

Die Dreifinger-Faultiere wie das im Bild können ihren Kopf zu drei Viertel herumdrehen, um auch Blätter hinter sich bequem abzuzupfen.

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Ihre inneren Organe wie Magen und Leber sind bei Faultieren verschoben und mit den Rippen verbunden, um beim Abhängen nicht auf die Lunge zu drücken. Auch der Scheitel des langen Felles verläuft bei Faultieren im Gegensatz zu anderen Säugetieren am Bauch. Dadurch kann das Regenwasser besser ablaufen.

Im dichten Fell wachsen Grünalgen, die helfen bei der Tarnung zwischen grünen Blättern. Außerdem können Faultiere sie fressen – wie praktisch.
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Und falls sie mal vom Baum ins Wasser fallen sollten – kein Problem. Faultiere sind, Überrraschung, erstaunlich gute Schwimmer.

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Faultierbabys

Ein Faultierweibchen bringt meist einmal im Jahr ein Jungtier zur Welt. Im Baum hängend, versteht sich. Das Faultierbaby fällt dabei nicht herunter, sondern klammert sich auf der Bauchseite an die Mutter, bis es selbstständig ist.

Mehr Magen als Muskeln

Faultiere haben weniger Muskeln als andere Säugetiere. Dafür macht ihr gefüllter Magen fast ein Drittel des Körpergewichtes aus. Schließlich muss er viel Nahrung aufnehmen.

Ein ausgewachsenes Faultier wiegt je nach Art drei bis elf Kilogramm, wird zwischen 50 und 90 Zentimeter groß und in freier Wildbahn bis zu 15 Jahre oder noch älter.

Das älteste Faultier der Welt in einem Zoo war lange Zeit Paula im Zoo Halle. Sie starb im August 2020 im Alter von 51 Jahren.

Schon gewusst?

Faultiere gibt es schon sehr lange. Erste Fossilfunde sind etwa 30 Millionen Jahre alt. Auch vor 20.000 Jahren – dem Zeitalter von Ice Age – lebten Faultiere auf der Erde. Darunter Riesenfaultiere wie das Megatherium americanum: Sie wurden so groß wie Elefanten. Die nächsten Verwandten der Faultiere sind Ameisenbären und Gürteltiere.

© Donne Beyer (Megatherium im Dinopark Muenchehagen)

Was Faultiere bedroht

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Bedroht sind Faultiere vor allem durch die immensen Rodungen der tropischen Regenwälder, in denen sie leben. So schnell, wie der Wald schwindet, kann das Faultier nicht weglaufen.

Auch der illegale Handel ist teilweise ein Problem. Wild-gefangene Tiere, vor allem Jungtiere, werden als Haustiere verkauft oder Touristen zum Fotografieren auf Märkten angeboten.

Was du tun kannst

Auch wenn sie noch so niedlich sind und ein süßes Faultier-Selfie noch so verlockend erscheint, sollte jede/r hier dankend ablehnen. Faultiere sind in einem intakten Wald am Baum hängend deutlich besser aufgehoben als am Hals oder auf dem Arm eines Menschen.

Was der WWF tut

Der WWF arbeitet weltweit dafür, dass Regenwälder als Lebensräume für Faultiere und viele andere Tierarten und Pflanzenarten erhalten bleiben und kämpft außerdem gegen die Wilderei.

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