Regenwürmer: Superhelden in Unterwelten

Ein Regenwurm ist glitschig, hat keine Augen, kann nichts hören und lebt meist gut versteckt im Boden. Doch der unscheinbare Wurm ist enorm wichtig für uns, denn er macht zusammen mit vielen anderen Regenwürmern unseren Boden fruchtbar. Ohne sie alle hätten wir kaum genügend Brot, Obst oder Gemüse.

Ein Regenwurm ist sehr stark. Wenn er seine Tunnel durch die Erde gräbt, kann er schwere Erdklumpen wegstemmen, die bis zu 60-mal schwerer sind als er selbst. Stell dir mal vor, du könntest 60-mal so viel heben, wie du wiegst. Dann würdest du glatt drei Kühe auf einmal tragen können!

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Der Regenwurm schafft aber noch mehr Unvorstellbares. Er verputzt rund um die Uhr fast so viel Nahrung, wie er wiegt. Vor allem Blätter, abgestorbene Pflanzenreste und Mikroorganismen. Was er dann als Häufchen ausscheidet, ist allerbeste fruchtbare Erde!

Wie geht das? Regenwürmer ziehen meist nachts Blätter oder Gräser in ihre Wohnröhre. Aber bevor die zahnlosen Würmer sie fressen können, müssen Pilze und Bakterien die Pflanzenteile für sie mundgerecht zerkleinern. Verspeisen die Würmer dann die zersetzten Blätter oder Gräser, schlucken sie zugleich auch Erde mit. In ihrem Darm wird das Ganze dann mit Pilzen und Bakterien vermischt. Als Regenwurm-Häufchen ausgeschieden ist es dann besonders gute Erde.

Warum? Ganz einfach: Sie enthält viel mehr Nährstoffe als normale Gartenerde. Jeder Bauer und jede Gärtnerin freut sich deshalb, so viele Regenwürmer wie möglich im Boden zu haben.

Regenwürmer können aber noch mehr. Denn sie graben den Boden um, durchmischen und durchlüften ihn. Weil sie sehr stark sind, können Regenwürmer bis zu 20 Meter lange Gänge graben, die bis zu 7 Meter in die Tiefe reichen können. Das alles macht den Boden schön locker für Pflanzenwurzeln und andere Bodentiere.

 

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Wie kriegt das alles ein Tier hin, das eigentlich nur eine Art wabbeliger Verdauungsschlauch ist?

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Stell dir einen biegsamen Schlauch mit Wasser vor. So einen, den du auch zusammen- und auseinanderziehen kannst. Genau das macht der Regenwurm mit seinen Ring- und Längsmuskeln. Zieht er die Längsmuskeln zusammen, wird er kurz und dick. Durch das ständige Zusammen- und Auseinanderziehen kann er sich ohne Beine vorwärts bewegen. Damit er als glitschiger Typ bergauf nicht zurückrutscht, hat er Borstenpaare an der Unterseite seines Körpers, die er wie kleine Wanderstöcke in die Erde stecken kann.

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Krümel mit Kleber

Bei all diesem Fressen und Graben produziert jeder Regenwurm eine Menge wertvolle Bodenkrümel – im Jahr insgesamt 200-mal so viel wie er wiegt. Die Krümel scheidet der Regenwurm mit einem klebrigen Schleim aus. Der enthält viele Nährstoffe, auf die sich sofort Pilze draufstürzen, ihn durchwachsen und festigen. Auch Pflanzenwurzeln wachsen darin besonders gut.

Schon gewusst?

Regenwürmer fressen neben abgestorbenen Pflanzen auch bestimmte Bodenpilze sehr gern. Außerdem Pflanzenreste, auf denen sich gefährliche Schädlingspilze vermehren. So machen Regenwürmer viele krankmachende Pilzarten unschädlich. Damit helfen sie auch Obstbäumen, weniger krank zu werden. Vor allem, wenn sie im Herbst deren Laub rasch verputzen.

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Was für Regenwürmer gibt es?

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Ein grüner Regenwurm? Ja, den gibt es wirklich! Der Smaragdwurm ist ein seltener Alpenbewohner, der gerne in Totholz lebt und erst mit 2 bis 3 Jahren smaragdgrün wird.

Regenwürmer sind ganz schön verschieden. Manche sind violett, weiß oder fast durchsichtig. Allein in Deutschland leben 46 Arten, weltweit sogar mehr als 3.000. Die meisten sind höchstens 30 Zentimeter lang. Aber in den Tropen gibt es Wurmriesen, die so dick sind wie ein Staubsaugerschlauch!

 

Der größte Regenwurm bei uns ist der Badische Riesenregenwurm. Er wird ausgestreckt bis zu 60 Zentimeter lang und lebt nur im Hochschwarzwald in der Feldberg-Region. Dort gibt es sogar einen Riesenwurm-Erlebnispfad. In seinen bis zu 2,50 Meter tiefen Wohnröhren kann er auch strenge Winter überleben.

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Der häufigste Regenwurm bei uns ist der Tauwurm. Er ist 10 bis 30 Zentimeter lang. Du erkennst ihn an seinem rötlich gefärbten Vorderende und seinem blassen Hinterteil. Er gräbt bis zu drei Meter tiefe Gänge.

Häufig ist auch der Kompostwurm, er wird 4 bis 14 Zentimetern lang. Er ist rot und hat hell-gelbliche Ringe. Der Kompostwurm kommt fast nur in Komposthaufen vor. Er verwandelt Küchenabfälle in fruchtbare Erde.

 

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Steckbrief Regenwurm

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Alter: Meist bis zu 2 Jahren, manchmal sogar bis zu 20 Jahre wie der Badische Riesenregenwurm.

Name: Früher wurde er „reger Wurm“ genannt, weil er so fleißig gräbt und frisst. „Rege“ bedeutet so viel wie „lebhaft“ oder „aktiv“.

Lieblingstemperatur: Zwischen 10 und 15 Grad Celsius. Im Frühjahr und im Herbst sind Regenwürmer deshalb am aktivsten. Wird es ihnen im Sommer zu trocken oder im Winter zu kalt, graben sie sich tief in die Erde hinein, ringeln sich zusammen und schlafen.

Paarung: Regenwürmer sind Zwitter. Das heißt: Jeder von ihnen besitzt Hoden und Eierstöcke. Geschlechtsreife Tiere haben eine Hautverdickung im vorderen Drittel des Körpers, den so genannten Gürtel. So weißt du auch: Die Spitze, die näher am Gürtel liegt, ist der Kopf. Regenwürmer pflanzen sich hauptsächlich im Frühling und im Herbst fort, meist nach Regenfällen.

Nachwuchs: In 20 bis 140 Schleimkokons wachsen die Eier heran. Je wärmer der Boden ist, desto schneller schlüpfen die Würmer. Im besonders warmen Komposthaufen passiert das bei 25 Grad schon nach 16 Tagen, im Boden dauert es mindestens vier Monate.

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Schon gewusst ...

dass Regenwürmer besonders nach einem Regenguss an die Erdoberfläche kriechen? Das tun sie, damit sie in ihren Erdröhren nicht ertrinken. Amseln nutzen das aus, denn sie fressen Regenwürmer. So warten sie einfach einen Regen ab und schnappen zu. Und wenn es nicht regnet, trippeln sie auf dem Boden herum und ahmen so aufprallende Regentropfen nach. Und schwupps tauchen Regenwürmer auf ...

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Was Regenwürmer bedroht

Unseren Regenwürmern geht es an vielen Orten schlecht. Zum Beispiel auf Äckern, wo nur Mais angebaut wird. Da finden Regenwürmer kaum was zu fressen. Auch zu viel Gülle (das sind die Ausscheidungen von Nutztieren) schadet ihnen und häufiges Durchpflügen des Bodens ist für sie lebensgefährlich.

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Wo häufig schwere Landmaschinen im Einsatz sind und wo viele giftige Pflanzenschutzmittel gespritzt werden, gibt es oft gerade mal 30 Regenwürmer auf einen Kubikmeter Boden (das ist 1 Meter hoch, lang und breit). Auf wenig gepflügten Öko-Äckern sind es dagegen über 450 Würmer pro Kubikmeter – also 15-mal mehr!

 

Der WWF warnt deshalb: Wo nur wenige Regenwürmer leben, wird der Boden immer schlechter. So ein Boden kann auch weniger Wasser speichern, weil die vielen Wurmtunnel fehlen. Bei starken Regenfällen reagiert er dann wie ein verstopftes Sieb. Dann gibt es Hochwasser und Erde wird weggeschwemmt.

 

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Das tut der WWF

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Deshalb setzt sich der WWF für eine Landwirtschaft ein, die besser den Boden schont und die Regenwürmer und alle die anderen wertvollen Bodenbewohner schützt. Mit mehr natürlichem Bodenaufbau, artenreichen Ackerrandstreifen wie im Bild, ohne schwere Landmaschinen, die den Boden verdichten und viel weniger giftige Chemikalien gegen Schädlinge und Krankheiten.

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