Schau mal, was das Rentier kann Stell dir vor: Eine Superkälte von bis zu minus 40 Grad Celsius, monatelange Dunkelheit und eine meterdicke Schneedecke. Das alles können Rentiere locker aushalten. Wie ihnen das gelingt? Durch geniale Tricks der Natur!

© Hemera / GettyImages

Rentiere leben seit Urzeiten im hohen Norden der Erde: In der Tundra, das ist eine Kältesteppe nur mit Büschen und Gräsern bewachsen. Und in der Taiga, das ist der nördlichste Nadelwald der Welt.

Lange laufen

In diesem Teil der Erde ist Nahrung knapp, deshalb gehen Rentiere jedes Jahr in großen Herden auf Wanderschaft. Manchmal ziehen mehr als 100.000 Tiere über Land, manchmal pro Jahr bis zu 3.000 Kilometer weit. Kein anderes Landsäugetier kann solche langen Strecken zurücklegen!

© Monte HUMMEL / WWF Kanada
© Ola Jennersten / WWF Schweden

Schon gewusst?

Während sie im Sommer auf den saftigen Tundrawiesen einen reich gedeckten Tisch finden, müssen sich Rentiere im Winter mit Moosen, Pilzen und Flechten begnügen.

Tief graben

Wie kommen Rentiere durch meterhohen Schnee an ihre Pflanzenkost? Mit ihren scharfkantigen Hufen. Die helfen den Rentieren auch über Schneeflächen und durch Frühjahrssümpfe, ohne einzusinken. Sie sind sehr breit und lassen sich durch eine elastische Haut dazwischen noch spreizen.

© Michael Poliza / WWF
© iStock / GettyImages

Die Luft vorwärmen

Dem eisigen nordischen Winter angepasst ist auch die Rentiernase. Sie kann dank stark vergrößerter Oberfläche die eingeatmete Luft vorwärmen, bevor sie in die Lungen kommt.

Im Dunkeln sehen

Auch ihre Augen können Rentiere auf Winterbetrieb umstellen: Werden die Tage immer kürzer, verändern sie sich von goldgelb zu dunkelblau. Dadurch werden die Augen lichtempfindlicher und die Rentiere sehen sogar im Dunkeln.

© Wild Wonders of Europe / Munier / WWF
© Michael Poliza / WWF

Schnell rennen

Ganz scharf sehen können sie im Dunkeln zwar nicht. Doch die blauen Augen reichen aus, Feinde wie den Wolf erkennen. Vor ihm können sie im Notfall wegrennen – bis zu 80 Stundenkilometer schnell. Das ist schneller als die S-Bahn!

Eiswasser durchschwimmen

Tauen im Frühjahr die Flüsse im hohen Norden, können Rentiere sie durchschwimmen. Ihr dichtes Fell enthält Luftpolster, ähnlich wie ein Rettungsring. Diese Luftpolster schützen die Tiere gegen das eisige Wasser und geben ihnen zugleich Auftrieb in den Fluten.

© Monte HUMMEL / WWF Kanada

Steckbrief Rentier

© Staffan Widstrand / WWF
  • Rentiere gehören zur Familie der Hirsche. Es gibt etwa 20 verschiedene Unterarten, die sich aber alle sehr ähnlich sind: Zum Beispiel das Nordeuropäische Rentier oder das Westkanadische Karibu.
  • Größe: 1,30 bis 2,20 Meter.
  • Geweih: Auch die Weibchen tragen es.
  • Fell: Dichter als das anderer Hirsche. Auf einem Quadratzentimeter Haut wachsen etwa dreimal so viele Haare wie bei Hirschen in unseren Wäldern.
  • Alter: Bis zu 20 Jahre.
  • Gewicht: 60 bis mehr als 300 Kilogramm.

Gefahren drohen

Du hast gesehen: Rentiere sind für die Eiseskälte in den Polargebieten gut von Mutter Natur ausgestattet. Eigentlich sollte deshalb der Bestand an Rentieren in der Wildnis gesichert sein.

Doch leider ist das nicht mehr so. Heute gilt das Rentier als bedroht.

Mehr über die Rote Liste und die verschiedenen Gefährdungsstufen erfährst du hier.

© WWF

Warum ist das so?

1. Das Klima ändert sich

In der Arktis steigt die Temperatur schneller als irgendwo sonst auf der Welt. Das bedeutet: Das Frühjahr beginnt früher, Böden und Flüsse tauen schneller auf, Pflanzen wachsen früher – auf all das müssen sich Tiere wie die Rentiere einstellen. Das geht nicht so einfach.
© Alexei Ebel / WWF-Canon

2. Die Wilderei nimmt zu
Wilderer lauern den Herden im Frühjahr an den Flüssen auf, um ihr Fleisch, Fell und Geweih zu verkaufen. Denn weit weg, in den Städten, wird dafür ein hoher Preis bezahlt.

Allein auf der russischen Taimyr-Halbinsel ist der Bestand an Rentieren in weniger als 20 Jahren von einer Million auf 380.000 Tiere geschrumpft. Weltweit gibt es heute noch etwa 2,9 Millionen Rentiere.

Was der WWF tut

Wir versorgen noch mehr Tiere als bisher mit Sendern (das sind Satelliten-Halsbänder). Durch die Sender erfahren wir die genauen Wanderrouten der Rentiere und können sie dann an den Stellen schützen, wo Wilderer ihnen vielleicht auflauern. Zum Beispiel dort, wo die Tiere Flüsse durchqueren.

© Dmitri Boldyrev / WWF Russland
© Dmitri Boldyrev / WWF Russland

Damit die Ranger dann auch rechtzeitig dorthin kommen, wo sie gebraucht werden, rüsten wir sie mit Motorbooten und Schneemobilen aus.

Und wir helfen, Rückzugsgebiete einzurichten, wo Rentiere ungestört vom Menschen leben können. Da haben sie die besten Chancen, sich an das neue Klima zu gewöhnen.

Der WWF setzt sich außerdem weltweit dafür ein, den Klimawandel soweit abzubremsen, dass Menschen und Tiere mit der Veränderung klarkommen können.

War das eine Katze? Geh doch mal auf Spurensuche
Igel sind stachelige Schlafmützen