Geheimagent Luchs Hast du „Augen wie ein Luchs“? Diese Redensart bedeutet: Du siehst besonders gut. Ein Luchs kann dazu noch supergut hören und lautlos schleichen. Kein Wunder, dass er für uns im Wald so gut wie unsichtbar ist.

Die Augen des Luchses sind sechsmal so lichtempfindlich wie die des Menschen. Damit kann er Beutetiere schon aus 300 Metern Entfernung erkennen. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung, wenn wir Menschen alles nur grau in grau sehen.

Auch die Ohren sind genial: Eine Trillerpfeife hört ein Hund höchstens 2,8 Kilometer weit, ein Luchs aber 4,5 Kilometer.

© Tomas Hulik / WWF
© Tomas Hulik / WWF

Der Eurasische Luchs gehört neben dem Wolf und dem Bär zu den heimischen Beutegreifern, die in Deutschland vor mehr als 100 Jahren komplett ausgerottet wurden – vor allem, weil sie gelegentlich Schafe und Ziegen töteten.

Heute leben glücklicherweise wieder einige Luchse bei uns. Sie sind aus Osteuropa zugewandert oder wurden neu angesiedelt. Wie aktuell im Pfälzerwald, wo der WWF mitgeholfen hat, dass Luchse wieder zu Hause sind (bald gibt es hier Bilder der ersten Jungtiere zu sehen!)

Luchse werden ausgewildert

© Martin Greve / SNU / RLP
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Die meisten Menschen werden Luchse nie zu Gesicht bekommen. Denn Luchse sind wie Geheimagenten! Sie leben heimlich, still und leise in dichten Wäldern. Dabei hilft ihnen ihr Fell, das im Gebüsch wie ein Supertarnanzug wirkt. Was bleibt, sind meist nur ihre Spuren.

Glücklicherweise stehen sie heute unter Naturschutz und dürfen nicht mehr gejagt werden.

Bauplan der Natur

© WWF

Daran erkennst du einen Luchs:
• An den Pinselohren mit schwarzen Haarbüscheln  an den Spitzen.  Vermutlich wirken sie wie Antennen, um Geräusche besser zu orten. Luchse hören eine Maus auf 65 Meter und ein Reh auf 500 Meter Entfernung!  
• Am Backenbart, der vermutlich ebenfalls beim Hören hilft.
•  Am Stummelschwanz, 10 bis 20 Zentimeter kurz mit schwarzem Ende.
• An den etwas längeren Hinterbeinen, ideal fürs Sprinten und Springen.
• An den Pfotenabdrücken: Luchse ziehen beim Laufen ihre Krallen ein. In den Fußabdrücken des Luchses (bis zu 10 Zentimeter groß) siehst du deshalb keine Krallenabdrücke.

Schon gewusst?

Luchse haben – wie andere Katzen auch – kein verknöchertes Zungenbein wie etwa der Löwe. Sie können daher nur miauen, heulen und schreien (und schnurren wie unsere Hauskatzen), aber nicht brüllen wie ein Löwe.

© David Lawson / WWF UK

Die Luchs-Familie

Luchse sind Einzelgänger. Nur in der Paarungszeit von Februar bis April suchen Männchen und Weibchen die Nähe zueinander.

Nach einer Tragzeit von etwa 70 Tagen bringt die Mutter in einer Höhle ein bis vier Jungtiere  zur Welt. Die Luchsjungen wiegen nur 250 bis 300 Gramm und sind die ersten 12 bis 16 Tage blind.

Sie werden von der Mutter gesäugt und auch mit Fleisch versorgt. Im Alter von 6 bis 7 Monaten haben sie schon ein Gewicht von 7 bis 9 Kilogramm und versuchen zum ersten Mal, selber zu jagen. Nach einem knappen Jahr müssen die Jungen sich ein eigenes Revier suchen, denn dann ist wieder Paarungszeit.

Schon gewusst?

Ein erwachsener Luchs braucht pro Woche ungefähr 10 Kilogramm Fleisch, das entspricht etwa einem Reh. Das verschlingt er aber nicht auf einmal. Den großen Rest der erlegten Beute versteckt er im Dickicht oder unter einem Felsvorsprung, oder er deckt ihn mit Laub ab. Immer wenn er Hunger hat, kehrt er zu seinem Vorrat zurück, um daran zu fressen.

Steckbrief Eurasischer Luchs

Größe und Gewicht: Bis zu 1,20 Meter lang, bis zu 70 Zentimeter hoch und bis zu 25 Kilogramm schwer.
Alter: In freier Wildbahn bis zu 17 Jahre.
Lebensraum: Wälder, am liebsten mit Felsen.
Verbreitung: Europa, Zentralasien bis Ostasien.
Beute: Vor allem Rehe, aber auch Füchse, Marder und junge Wildschweine, selbst junge Rothirsche.

© Tomas Hulik / WWF
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Revier: Luchsreviere sind bei uns in Europa zwischen 50 und 400 Quadratkilometern groß (das ist fast so groß wie Bremen). Die Reviere der Luchsmännchen (Kuder) sind häufig größer als die der Weibchen (Katze) und überlappen mehrere Weibchenreviere.

Lebensweise und Paarungszeit: Luchse sind Einzelgänger. Nur in der Paarungszeit von Februar bis April suchen Luchsmännchen und -weibchen die Nähe zueinander.

Bestand: Etwa 70.000 Tiere weltweit, davon rund 10.000 Tiere in Europa. In Deutschland leben aktuell ungefähr 115 Tiere.

 

Die Rote Liste Deutschland sagt: Der Eurasische Luchs ist "stark gefährdet". Warum?

Gefahren für den Luchs

Es gibt heute wieder etwa 115 Luchse in Deutschland. Doch leider sind sie noch nicht überall willkommen. In manchen Gegenden gab es Angriffe auf Luchse, mindestens fünf Tiere wurden erschossen oder vergiftet. Weitere 14 Tiere sind spurlos verschwunden.

Was der WWF tut

Deshalb kümmert sich der WWF europaweit um den Schutz der Luchse. Er hilft, sie dort wiederanzusiedeln, wo sie früher einmal gelebt haben, wie zum Beispiel im Pfälzerwald – zum Beispiel mit Kamerafallen und Sendehalsbändern, um gut auf die Tiere aufzupassen.

© Robert Guenther / WWF
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Und er informiert die Bevölkerung in der Umgebung der Luchsgebiete. Dazu gehört auch den Einsatz von Luchs-Fachleuten in Schulklassen und Kitas. Damit alle Menschen in der Umgebung wissen, wie man mit der wilden Katze leben und sie schützen kann. Und dass sie keine Angst zu haben brauchen, denn Luchse greifen keine Menschen an.

Auch für den Schutz von Nutztierherden setzt sich der WWF ein. Herdenschutzhunde helfen. Meist genügen aber Elektrozäune und Blinklichter, um Luchse von Schafen abzuhalten.

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