Amazonien: Tauchen mit den Flussdelfinen Wusstest du, dass es auch Delfine in Flüssen gibt? Sie zu finden ist aber nicht leicht. Hier erzählt Roberto Maldonado vom WWF, wie er im Amazonas-Regenwald von Brasilien zum ersten Mal einige Flussdelfine mit Sendern versehen hat, um mehr über sie zu erfahren.

Roberto und die Delfine

© WWF

Junior: Was für einen Delfin habt ihr denn gesucht?

Roberto: Den Amazonas-Delfin, er wird auch Boto genannt. Er ist ein sehr geheimnisvolles Tier.

Junior: Warum?

Roberto: Über ihn gibt es uralte Legenden, die sich die Menschen am Amazonas heute noch erzählen. Dass zum Beispiel jemand, der ertrinkt, zu einem Flussdelfin wird und sich dann nachts in einen Menschen zurückverwandelt. Einige Indianer verehren ihn auch als Boten der Flussgötter und Wächter über die Natur.

Junior: Cool. Aber der Boto ist auch in Wirklichkeit interessant, oder?

Der Amazonas-Delfin lebt in den riesigen Flüssen Amazonas und Orinoco und deren Nebenflüssen. Er wird bis zu 2,50 Meter lang und 130 Kilogramm schwer.
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Roberto: Unbedingt. Schon allein, weil er anders aussieht als die meisten Delfine, die du so aus dem Meer kennst. Er besitzt eine schmale und lange Schnauze mit spitzen Zähnen, kleine Augen und anstelle einer Rückenflosse einen niedrigen Kamm oder Höcker. Besonders auffällig: Manche Amazonas-Delfine sind rosa! Sie können sogar ihre Hautfarbe ändern, wenn sie sich anstrengen.

Junior: Krass! Hm, schmale Schnauze, der stochert wohl irgendwo herum, um Fressen zu suchen, oder?

Roberto: Guter Detektiv, richtig. Denn in der Regenzeit schwimmen sie mitten im Wald zwischen unter Wasser stehende Bäumen hindurch. Da müssen sie beim Fische fangen sehr beweglich sein. Amazonas-Delfine können dazu ihren Hals bewegen. Ihre Verwandte im Meer können das nicht.

Junior: Kann der Amazonas-Delfin da mit seinen kleinen Augen denn etwas sehen?

Roberto: Nicht so gut, auch weil das Wasser oft trübe ist. Dafür hat er aber ein Echolot, so ähnlich wie die Fledermäuse in der Luft. Am Echo seiner Töne hört er, ob vor ihm ein Beutefisch schwimmt. Außerdem hat er Tasthaare an seiner Schnauze.

Junior: Weshalb hast du jetzt vor kurzem eine große Expedition zum Amazonas-Delfin gemacht?

Roberto: Weil er immer seltener wird – und wir zugleich immer noch viel zu wenig über ihn wissen. Wenn wir aber von Politikern Schutzgebiete für den Amazonas-Delfin fordern, müssen wir zum Beispiel Ahnung haben, wo genau er lebt, wie und wohin er wandert, wenn Trockenzeit und Regenzeit ist.

© WWF
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Deshalb haben wir ein Projekt zum Delfin- und Süßwasserschutz in fünf Ländern des Amazonasbeckens gestartet. Du weißt, der Amazonas ist ein so riesiger Fluss, dass er noch ganz viele Nebenflüsse hat. An zwei von ihnen, Juruena und Tapajos, haben wir im Oktober 2017 zum ersten Mal fünf Amazonas-Delfine mit Peilsendern ausgestattet. Die Sender sollen uns dann verraten, wie und wo die Delfine genau leben.

Junior: Wie genau habt ihr das denn gemacht? So ein Delfin wartet doch nicht ruhig im Wasser, bis ihr vorbeikommt?

Roberto: Nee, natürlich nicht. Wir mussten die Delfine dazu fangen. Das machten die Fischer, die WWF-Kollegen und ich zusammen. Wir trieben die Tiere zunächst in Seitenarme des Flusses und schnitten ihnen mit Netzen den Rückweg ab. Anschließend wurden die Delfine mit einem zweiten Netz an einem Flussabschnitt festgehalten. Mit einem Treibnetz konnten sie dann ans Ufer gezogen werden.

© A. Gambarini / WWF
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Danach musste alles ganz schnell gehen, um die Delfine nicht unnötig zu stressen. Die Tierärzte haben sie vermessen, gewogen und ihnen klitzekleine Mengen Blut, Kot, Hautgewebe, Spucke und den Weibchen Milch entnommen. Außerdem wurden sie mit einem Ultraschallgerät untersucht.

Junior: Uii, das alles haben die Delfine so einfach mit sich machen lassen?

Roberto: Ja, die meisten waren sehr geduldig, nur einer zappelte zu sehr herum, den haben wir deshalb gleich wieder fortschwimmen lassen.

© A. Gambarini / WWF
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Junior: Und die Sender, wo habt ihr die drangemacht? Und wie groß waren die?

Roberto: An fünf Delfinen konnten wir Peilsender befestigten, und zwar an der verknorpelten Rückenflosse. Jeder Sender ist etwa 20 Zentimeter lang.

Junior: Hat das den Delfinen nicht wehgetan?

Roberto: Wir haben vorher immer die Flosse mit einer Spritze betäubt, sie haben also nur einen Pieks gespürt. Und auch bei dem Fangen vorher sind wir sehr behutsam vorgegangen. Vor allem unsere Tierärzte haben aufgepasst, dass sich kein Tier verletzt.

Die gesamte Behandlung dauerte bei jedem Tier nur zwischen 30 und 50 Minuten. Danach durften die Delfine sofort wieder zurück in die Freiheit.

Auch die Zähne der Delfine wurden untersucht.

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Junior: Und was macht Ihr mit all den Blut-, Fett- und Spuckeproben?

Roberto: Damit überprüfen wir, wie gesund die Tiere sind. Leider haben sie ungesunde Schwermetalle im Blut, zum Beispiel das giftige Quecksilber. Es kommt aus dem Bergbau.

Weil das Gift auch in den Fischen ist, wird Quecksilber auch Menschen, die Fische essen, gefährlich. Der WWF kämpft dafür, dass alle Amazonas-Länder die Verwendung dieses Umweltgiftes eindämmen.

© A. Gambarini / WWF
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Außerdem wollen wir an den Flüssen Tapajos und Juruena weitere Wasserkraftwerke verhindern. Denn die Staudämme zerschneiden die Lebensräume der Delfine.

Junior: Verstehe. Und wenn ihr jetzt mit euren Sendern herauskriegt, wo genau die Delfine leben, könnt ihr euch dafür stark machen, dass dort Schutzgebiete für sie eingerichtet werden.

Roberto: Richtig, Paddy. Schutzgebiete, wo es keine Staudämme gibt und Quecksilber verboten ist.

Junior: Das klingt nach viel Arbeit: Die WWF Juniors drücken euch die Daumen, dass euch das alles gelingt.

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