Wie viele Käfer kennst du schon? Vielleicht hast du schon mal einen Maikäfer (Bild oben) oder Marienkäfer gesehen. Doch es gibt soooo viele mehr, allein in Deutschland rund 7.000 Arten! Weltweit sind Käfer wahrscheinlich die erfolgreichste Tiergruppe. Etwa jede fünfte bereits beschriebene Art auf der Erde ist ein Käfer! Was ist ihr Geheimnis?

Käfer gehören zu den Insekten, und die meisten von ihnen können fliegen. Käfer gibt es schon sehr lange auf der Erde. Ihre ältesten Fossilien sind 280 Millionen Jahre alt. Seitdem haben sich Käfer an fast alle Lebensräume angepasst. Bis heute wurden mindestens 350.000 verschiedene Käferarten entdeckt. Sie leben im Wald, in der Wüste, in der Tundra, auf einer Düne oder im Hochgebirge. Nur in den Meeren und in Eisgebieten nicht.

 

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© Ola Jennersten / WWF Schweden

Bei uns in Deutschland leben Käfer fast überall: in Wald und auf dem Feld genauso wie in der Stadt. Sie fühlen sich in eurem Keller genauso wohl wie in eurer Gartenhütte.

Käfer haben sich überall auf der Welt aufs allerbeste an bestimmte Lebensweisen und Lebensräume angepasst. Dabei haben viele von ihnen ein ziemlich cooles Aussehen entwickelt – so wie diese fantastischen Sieben:

Der Herkuleskäfer ist der Größte

Der Herkuleskäfer ist der Größte
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Prachtkäfer schillern am buntesten

Prachtkäfer schillern am buntesten
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Der Nashornkäfer ist der Stärkste

Der Nashornkäfer ist der Stärkste
© WWF

Das Glühwürmchen leuchtet im Dunkeln

Das Glühwürmchen leuchtet im Dunkeln
© iStock Getty Images

Der Hirschkäfer ist der größte Actionstar

Der Hirschkäfer ist der größte Actionstar
© Nikolas Beyer

Der Maikäfer trägt das aufwändigste Kostüm

Der Maikäfer trägt das aufwändigste Kostüm
© Reinhold Hellmich / WWF

Der Marienkäfer gilt als Glücksbringer

Der Marienkäfer gilt als Glücksbringer
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Herkuleskäfer und Riesenbockkäfer sind die Größten! Der Herkuleskäfer im Bild oben lebt im Tropenwald von Süd- und Mittelamerika und ist bis zu 17 Zentimeter lang und 100 Gramm schwer.

Am schönsten schillern die bis zu 7,5 Millimeter langen Prachtkäfer. Die meisten der rund 15.000 Arten leben in den Tropen. In Südamerika haben Völker der Inkas Schmuckstücke aus ihnen gemacht. Der Prachtkäfer ernährt sich meistens von Holz.

Der Stärkste ist der bis zu 4 Zentimeter lange Rhinozeros- oder Nashornkäfer. Er lebt in Eichenwäldern auch bei uns in Mitteleuropa und frisst abgestorbenes Holz. Er kann das 800fache (!!!) seines eigenen Körpergewichts auf dem Rücken tragen.

Auf dich übertragen hieße das: Wenn du 40 Kilogramm wiegst, könntest du glatt einen Buckelwal tragen: der wiegt nämlich 30.000 Kilogramm und mehr.

Der bis zu 8 Zentimeter lange Hirschkäfer hat eine Art „Geweih“ aus Kieferzangen. Mit denen kann er Gegner vom Ast stoßen oder wie ein Ringer aufs Kreuz legen. Du kannst ihn bei uns besonders in Eichenwäldern finden. Doch er ist selten und ist stark gefährdet.

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Der Maikäfer wird 2 bis 3 Zentimeter lang, hat braune Flügel, ein schwarzes Halsschild sowie ein schwarzweißes Zickzackmuster an der Seite. Manche Maikäfer sind behaart und damit super getarnt für den Laubwald, wo sie wohnen.

Maikäfer-Männchen haben Fühler mit je sieben Blättchen, Weibchen mit je sechs Blättchen, die deutlich kleiner sind. Auf ihnen sitzen Geruchs-Fühler. Männchen haben 50.000, Weibchen 8.000.   

Die Maikäfer leben in ganz Mittel- und Nordeuropa und in den gemäßigten Klimazonen Asiens.  

Marienkäfer kommen in Europa, Nordamerika, Nordafrika und Asien vor und gelten fast überall dort als Glücksbringer. Sie futtern hauptsächlich Blattläuse und Schildläuse, die Pflanzen anknabbern – bis zu 50  Läuse am Tag! Die 1 bis 15 Millimeter großen Marienkäfer gelten deshalb auch als Nützlinge im Garten und in der biologischen Landwirtschaft.

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Schon gewusst?

Der Harlekinkäfer oder Asiatischen Marienkäfer hat meist bis zu 19 Punkte und kann von rot über orange bis gelblich sein. Harlekinkäfer wurden vor mehr als 30 Jahren aus Asien eingeführt, um sie in Gewächshäusern und auf Äckern gezielt gegen Blattläuse einzusetzen. Sie sind nämlich besonders gefräßig. Doch die Harlekinkäfer büxten aus und vermehrten sich in der freien Natur – massenhaft. Weil sie viel robuster sind als die Marienkäfer und keine natürlichen Feinde haben. Die Harlekine besitzen außerdem in ihrem Körper winzig kleine Schmarotzer-Lebewesen, die von den Nährstoffen der Harlekine leben, ihnen aber nicht schaden. Wohl aber den heimischen Marienkäfern: Kommen diese zum Beispiel durch Käfereier mit den Winzlingen in Kontakt, sterben sie.

Bauplan der Natur

© Ola Jennersten / WWF Schweden

Der Körper aller Käfer besteht aus drei Teilen: Kopf, Brust, Hinterleib.

  • Im Hinterleib sitzen gleich zwei Paar Flügel: ein Paar zum Fliegen und ein Paar als Deckflügel, die die Flugflügel schützen, wenn sie nicht in der Luft sind. Einige Käfer können nicht fliegen.
  • Außerdem kannst du Käfer an Halsschild und Antennen am Kopf erkennen. Die brauchen sie zum Fühlen und Riechen.
  • Käfer haben auch Mundwerkzeuge zum Beißen und Kauen. Manche benutzen ihren großen Oberkiefer zum Kämpfen wie der Hirschkäfer.
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Käfer haben drei Paar Beine und die sind unterschiedlich ausgebildet. Manche Käfer haben extrastarke Vorderbeine zum Graben, andere starke Springbeine.

Die meisten Arten haben große Facettenaugen, die aus vielen Einzelaugen bestehen. So haben Käfer einen super Rundumblick.

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Verwandlungskünstler

Käfer sind wahre Verwandlungskünstler. Simsalabim: Erst Ei, dann Larve (oder Engerling genannt), dann Puppe, dann Käfer. Sie verpuppen sich meistens im Boden. Dann schlüpfen sie ähnlich wie ein Schmetterling mit einem völlig neuen Aussehen aus der Puppenhülle. Die meisten Käfer werden nur ein paar Wochen alt.

 

Beispiel Hirschkäfer

Die Larve lebt bis zu fünf Jahre in einem Baumstamm. Wenn sie sich endlich verpuppt, verlässt sie das Holz und gräbt sich in den Boden. Daraus schlüpft dann der Hirschkäfer im Herbst und lebt bis zum Sommer des kommenden Jahres.

Was schmeckt den Käfern?

© Peter Chadwick / WWF

Dungkäfer wie im Bild oben ernähren sich vor allem von Rinder- und Pferdemist. Den rollen sie zu Kugeln und schaffen sie in ihre Erdhöhle. Nach der Paarung legen die Weibchen die Eier direkt in den Mist. Auch die schlüpfenden Larven ernähren sich davon.

Von Mist lebt auch der Mistkäfer (Bild rechts).

© Wild Wonders of Europe / Konrad Wothe / WWF
© Gauthier Saillard / WWF

Fleisch fressende Käfer leben in der Erde oder auf Pflanzen und jagen dort ihre Beute, zum Beispiel Falterraupen. Marienkäfer verputzen vor allem Blattläuse und Spinnmilben.

Viele Käferarten sind Pflanzenfresser. Es gibt Käfer, die von unterirdischen Pilzen leben, die sie selbst züchten (Waldgärtner). Oder die Tunnel ins Holz und unter die Baumrinde bohren wie die Borkenkäfer, zu denen auch der Buchdrucker im Bild gehört. Sie befallen meistens kranke oder tote Bäume.

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Auf dem Speiseplan der Aasfresser wie den Totengräbern stehen tote Lebewesen. Für die Natur sind sie sehr wichtig, denn sie wiederverwerten organische Abfälle.

Viele Käfer sind bedroht

Moderne Landwirtschaft bietet Käfern, Bienen und anderen Insekten kaum Nahrung. Auf vielen Feldern werden immer die gleichen Pflanzen angebaut: am häufigsten Mais, Raps und Weizen. Käfer brauchen aber viele verschiedene Futterpflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen.

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Auf Felder werden außerdem Insektengifte gesprüht, um die Ernte zu schützen. Sie werden krank und können sterben.

Immer mehr Landschaft wird für Straßen oder Häuser zubetoniert. So verschwinden Lebensräume für Insekten. Hinzu kommt die viele Nachtbeleuchtung: Sie erschöpft die kleinen Flattertiere, weil sie bei Nachtlicht schlechter zur Ruhe kommen.

In vielen Gebieten haben Forscher festgestellt, dass drei von vier Käfern, Bienen und Schmetterlingen in den letzten 30 Jahren verschwunden sind.

Dadurch fehlen den Pflanzen in der Natur und in der Landwirtschaft Blütenbestäuber. Und vielen Tieren, die sich von diesen Pflanzen und deren Früchten ernähren, fehlt die Nahrung.

Was der WWF tut

© Kari Schnellmann

Wir setzen uns dafür ein, dass es wieder mehr Käfer und andere Insekten gibt. Dazu wollen wir den Menschen in Deutschland zeigen, wie wertvoll Insekten sind und wie wichtig es ist, sie zu schützen und ihnen zu helfen.

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Unsere Ziele:

  • Ackerbau und Tierhaltung sollen so umgestellt werden, dass sie insektenfreundlicher werden. Für Insekten sehr giftige Pflanzenschutzmittel sollen aus der Landwirtschaft verschwinden.
  • Auf den Äckern sollen mehr verschiedene Pflanzen angebaut werden. Das ist gut für den Boden und gut für die Insekten.
  • Es soll auch weniger gedüngt werden.
  • Zwischen den Feldern soll außerdem mehr Platz für natürliche Insektenheimat bleiben – zum Beispiel Hecken, Tümpel oder Feuchtwiesen.
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Je mehr Wälder oder Wiesen wir so naturnah halten, desto mehr verschiedene Käfer gibt es auch.

Überall, wo Gebüsch ist, abgestorbenes Holz und ein lockerer Boden, da finden Käfer und andere Insekten einen Platz zum Leben.
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