Auch Flüsse mögen's wild Echte Wildflüsse fließen wie sie wollen – nach links oder rechts, in Kurven, in viele Arme aufgeteilt oder schluchten-eng. Je nachdem, wie steil es bergab geht. Leider sind solche Wildflüsse in Deutschland richtig selten geworden.

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Die meisten Flüsse wurden in den letzten 100 Jahren begradigt, tiefer gelegt, umgeleitet und aufgestaut. Das wurde gemacht, um besser mit Schiffen auf ihnen fahren zu können oder um Energie zu gewinnen.

So verschwanden Auen, Sand- und Schotterbänke, schlangenartige Kurven, rasante Stromschnellen und stille Altarme  – und damit auch all die ganz unterschiedlichen Lebensräume, die einer großen Zahl von Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bieten.

Glücklicherweise gibt es in den oberbayerischen Alpen noch echte Wildfluss-Bereiche so wie hier im Bild an der Isar. Um die kümmern sich Naturschützer vom WWF und anderen Organisationen. Auch du kannst mithelfen, wenn du dort mal Urlaub machst. Wie? Schau dir das Video an!

Spaß am Fluss – so hilfst du der Natur

Hier rauscht es gewaltig

© Claire Tranter / WWF

Erst ist es still, dann plötzlich dröhnt und rauscht es gewaltig: Am berühmten Felsdurchbruch Scheibum erlebst du die Kraft eines Wildflusses. Hier hat der Fluss Ammer in 120.000 Jahren eine bis zu 80 Meter tiefe Schlucht ins Gebirge gegraben.

Über 30 Kilometer fließt das Wasser durch enge Felsöffnungen, reißt Gesteinsbrocken und Erdklumpen mit und lagert sie in ruhigerem Wasser weiter flussabwärts in breiten Kies- und Schotterbänken wieder ab.

Hier gibt es noch sehr seltene Tierarten wie den Kiesbank-Grashüpfer oder den Flussuferläufer (Bild). Außerdem wachsen dort besondere Pflanzen wir der Lungenenzian oder die Deutschen Tamariske. Ihnen allen macht es nichts aus, dass der Fluss sein Bett immer wieder neu verlegt.

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Auch der Fischreichtum der Alpenflüsse ist beachtlich: Allein in der Ammer schwimmen 30 Arten, darunter Bachforelle (Bild), Äsche, Koppe und Huchen. Kein Wunder, dass die Alpenflusslandschaften zwischen Ammersee und Zugspitze zu den 30 artenreichsten Orten Deutschlands gehören.

Was Wildflüsse bedroht

Bestimmt hast du schon einmal ein Wasserkraftwerk an einem Fluss gesehen. Mit Hilfe der Strömung des Wassers wird Strom erzeugt. Klingt erstmal gar nicht schlecht. Aber für den Fluss, die Natur um den Fluss und die tierischen Bewohner kann ein Wasserkraftwerk störend sein. Wenn du erfahren möchtest, warum das so ist, schau dir den kurzen Erklärfilm zum Thema Wasserkraft an.

Was bei einem Wasserkraftwerk passiert

© Florian Niethammer / WWF (Foto), WWF (Video)

Schon gewusst?

Schon einfache Stauwehre im Fluss bremsen Fische beim Wandern. Ihnen helfen Fischtreppen, die in kleinen Stufen am Wehr vorbei führen.

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Flüsse sollen wieder wilder werden

© Michèle Dépraz / WWF

Um den Schutz der Alpen-Wildflüsse kümmert sich seit 2014 ein Bündnis aus 18 Vereinen und Organisationen, darunter der WWF. Gemeinsam setzten sie sich dafür ein, die gesamte Region zwischen Ammersee und Zugspitze besser zu schützen und den Flüssen wieder mehr Freiheit zu lassen.

• Sie pflegen zum Beispiel Moore,
• lassen ausgetrockenete Auengebiete wieder vom Fluss überschwemmen und
• helfen seltenen Tierarten wie der Flussseeschwalbe: Sie bekommt Nistflöße gebaut, damit sie sich wieder niederlässt und Eier legt (im Bild ein Jungvogel).

 

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© LFV Bayern

• Außerdem werden seltene Pflanzen wie die Deutsche Tamariske neu angepflanzt. Der Strauch wächst auf Kies- und Schotterbänken und liebt das natürliche Chaos in Wildflüssen.

• In der Ammer können wieder Seeforellen groß werden und in den Ammersee wandern.

 

Schon gewusst?

Aus gesunden Wildflüssen kannst du natürlich trinken!

© Peter Jelinek
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