Fledermäuse: Sie kommen, wenn es dunkel wird Wie Ufos sausen Fledermäuse lautlos und mit unglaublicher Schnelligkeit auf dich zu – und weichen im letzten Augenblick aus. Dabei haben sie es nicht auf dich oder dein Blut abgesehen, nein: Sie sind hinter umherschwirrenden Insekten her.

Hängt hier Graf Dracula?

Früher glaubten Menschen, dass Fledermäuse Blut saugende Vampire seien.

Tatsächlich gibt es Vampirfledermäuse in Süd- und Mittelamerika, die sich von Blut ernähren. Sie saugen es vor allem an Vögeln oder großen Säugetieren, wenn sie schlafen. Aber nur etwa 20 Milliliter, das ist weniger als ein Fingerhut voll. Das merken die meisten „angezapften“ Tiere noch nicht einmal. Allerdings können so Krankheiten wie Tollwut übertragen werden.

Die allermeisten Fledermäuse und Flughunde auf der Welt fressen Insekten oder andere kleine Tiere oder sie leben vegetarisch. Das heißt, sie futtern vor allem Früchte, Blüten und Pollen und naschen Nektar. Wie beispielsweise dieser Brillenflughund aus Australien. Er ist also kein Blutsauger, eher ein Nektarschlürfer.

© Martin Harvey / WWF
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Wo sind Fledermäuse zu Hause?

Weil Fledermäuse und Flughunde nachts unterwegs sind, brauchen sie tagsüber ein gutes Versteck zum Schlafen. Das ist meist eine Höhle, Felsspalte oder Baumhöhle. Gerne nutzen sie auch Bergbaustollen, Ruinen oder Dachböden, die der Mensch in Ruhe lässt. Dort halten sie bei uns in Europa auch Winterschlaf.

Schon gewusst?

Fledermäuse und Flughunde sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Weltweit gibt es 1.000 Arten von Fledemäusen und rund 200 Arten von Flughunden.

Sommer ist Mückenzeit. Jetzt ist die beste Gelegenheit, unsere heimischen Fledermäuse beim Insektenjagen im Dunkeln zu beobachten. Dazu brauchen sie nicht ihre Augen, sondern ihren Mund und ihre Ohren.
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Der Echo-Trick der Fledermäuse

Fledermäuse rufen in ganz hohen Tönen, die wir Menschen nicht hören können, das nennt man Ultraschall. Treffen diese Ultraschalltöne auf Gegenstände oder Beutetiere, werden sie als Echo zurückgeschallt zur Fledermaus. Mit ihren riesigen Ohren kann sie dann genau hören, von wem oder was das Echo kommt: einer Mauer, einem Menschen oder einem leckeren Insekt.

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Noch besser: Am Echo kann eine Fledermaus im Dunkeln genau feststellen, wo genau ein Gegenstand oder ein Tier sind, wie weit weg sie sich befinden und wie sie geformt sind. Sie kann sogar erkennen, wie schnell sich ein Beutetier bewegt und in welche Richtung es fliegt. Und das alles in den Bruchteilen einer Sekunde!

Bauplan der Natur

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Alle Fledermäuse fliegen eigentlich mit den Händen: Betrachtest du einen Flügel genauer, siehst du die fünf Finger, die von einer Flughaut umspannt werden. Der Daumen ragt über die Flughaut hinaus, besitzt eine Kralle und dient der Fledermaus als Halt beim Klettern.

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Die Hinterbeine der Fledermäuse haben ebenfalls Krallen. Damit können sie so richtig abhängen – kopfüber von einem Ast oder Felsen, wenn sie ruhen oder Winterschlaf halten. Besonders pfiffig: Ihre Krallenfüße haben an ihren Sehnen eine besondere „Schließ-Automatik“, so können die Tiere im Schlaf nicht herunterfallen.

Fliegt da eine Maus?

Nein, mit nagenden Mäusen sind Fledermäuse nicht verwandt und die Flughunde auch nicht mit Hunden. Aber weil sie Mäusen etwas ähnlich sehen und flattern, entstand ihr deutscher Name „Fledermaus“. 

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Das englische Wort „Bat“ kennen alle, die schon einmal die Comic-Helden Batman und Batgirl mit ihrem Batmobil aus ihrer Bathöhle haben sausen sehen.

Flughunde sind mit bis zu 1,70 Metern Spannweite die größten unter den Fledertieren – wiegen aber höchstens so viel wie ein großes Brot: rund 1,2 Kilogramm!
© Sinziana Demian / WWF Zentralafrika

Familie

Die meisten Fledermausarten bekommen nur einmal im Jahr Junge. Die Babys kommen lebend zur Welt wie bei (fast) allen Säugetieren. Meist ist es nur ein Jungtier.

Oft bilden die Weibchen Gruppen in Höhlen und gebären dort ihre Jungen. Die Jungen werden von den Müttern gesäugt. Ende August werden die kleinen Fledermäuse selbstständig.

© Wild Wonders of Europe / Ingo Arndt / WWF

In Deutschland leben 25 Arten von Fledermäusen. Zum Beispiel diese hier:

Die Bechsteinfledermaus

Die Bechsteinfledermaus
© Marko Koenig

Der Kleine Abendsegler

Der Kleine Abendsegler
© Marko Koenig

Das Braune Langohr

Das Braune Langohr
© Marko Koenig

Die Kleine Bartfledermaus

Die Kleine Bartfledermaus
© Ralph Frank / WWF

Das Große Mausohr

Das Große Mausohr
© Anton Vorauer / WWF

Fledermaus-Rekorde

Fledermäuse

  • können in völliger Dunkelheit bis zu 50 Stundenkilometer schnell fliegen;
  • im Winterschlaf ihre Körpertemperatur auf nur drei Grad Celsius abkühlen und im Sommer im Flug auf bis zu 40 Grad erhöhen;
  • haben die besten Ohren unter den Säugetieren: Manche können Insekten auf Blättern laufen hören!
  • kommen zu den größten Versammlungen von Wirbeltieren zusammen: In der Bracken-Höhle bei San Antonio in den USA sogar 20 Millionen Fledermäuse!
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Fledermäuse sind bedroht

Viele der 25 Arten von Fledermäusen in Deutschland sind bedroht, einige sogar sehr. Denn es gibt nicht mehr so viele naturnahe Landschaften und immer weniger alte Häuser mit offenen Dachböden oder offenem Kellergewölbe, wo sie tagsüber und im Winter ungestört leben können. Auch giftige Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft schaden Fledermäusen.

So helfen wir den Fledermäusen

© Marko König

Wir vom WWF kümmern uns um wilde Naturgebiete wie am Schaalsee und schützen sie. So werden auch alte Bäume erhalten, in denen Fledermäuse gerne Unterschlupf suchen. Fleißige Helfer bauen auch Fledermaus-Nistkästen aus Holz. Außerdem setzen wir uns für eine naturnahe Landwirtschaft ohne Gift und den Schutz der Insekten ein.

© Andreas Lampe / WWF

Du kannst auch etwas für sie tun. Zum Beispiel, wenn du Besitzer alter Häuser kennst, bitte sie, dass sie Einfluglöcher im Dach oder Keller offen lassen.

Oder besorge einen Nistkasten für Fledermäuse und bitte einen Erwachsenen, ihn am Haus oder an einem Baum möglichst hoch aufzuhängen. Fledermaus-Nisthöhlen gibt es im Zoofachgeschäft. Sie sehen ähnlich aus wie Vogelhäuschen, nur haben sie meist ein rechteckiges Einflugloch am unteren Ende.

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Wenn du einen Garten hast oder einen Schulgarten pflegst: Setze Pflanzen, die mit ihren Blüten viele Insekten, besonders Nachtfalter anlocken – zum Beispiel Leimkraut, Seifenkraut und Wegwarte. Denn Nachtfalter sind die Lieblingsbeute vieler Fledermausarten.

Und wenn du eine Fledermaus gefunden hast, die verletzt ist, dann lese hier unseren Erste Hilfe-Tipp.

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