Wattenmeer: Halb Land, halb Meer Das Wattenmeer ist so flach, dass es bei Ebbe zum größten Teil trocken fällt – also zweimal am Tag! Dann wird der Meeresboden zum riesigen Esstisch für Millionen Seevögel. Denn im Schlick leben jede Menge kleine Tiere – und im Wasser darüber auch viele ganz große.

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Komm mit ins Wattenmeer

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Was ist Watt?

Im Watt ist alles ständig in Bewegung. Entweder strömt Meerwasser rein oder es fließt raus. Und schiebt, wirbelt, treibt und schleppt jedes Mal Unmengen Schlick und Sand mit sich. An manchen Stellen entstehen so richtige kleine Inselchen.

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Hält die Strömung lange genug an, fallen die Inselchen eines Tages ganz trocken, so dass der Wind sie zu Dünen aufblasen kann. Dann erobern Pflanzen sie und halten sie mit ihren Wurzeln fest. So ähnlich entstanden viele der Inseln im Wattenmeer.

Ein Wunder der Natur

Ok, auf den ersten Blick siehst du neben dem Sand bei Ebbe nur grau-schwarzen Schlick. Und so seltsame Häufchen ... Schaust du aber genauer hin, entdeckst du: Darin steckt das volle Leben, vom Wurm bis zur Muschel. Das Wattenmeer ist auch die Kinderstube vieler Fische.

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Auf geht's zur Watt-Safari

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Mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten tummeln sich im und am Watt der Nordsee. Wir stellen dir die wichtigsten sieben Tiergruppen vor – von klein nach groß.

1. Würmer

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Im Wattenmeer leben fast 100 Borstenwurmarten. Der auffälligste unter ihnen ist der Wattwurm. Er frisst sich durch den Wattboden, verdaut dabei dessen organische Bestandteile und scheidet den gereinigten Sand wieder aus. Richtig: Das sind die kleinen Spagettihäufchen, die du im Watt findest wie auf dem Bild oben!

Schon gewusst?

Ein Wattwurm schluckt jedes Jahr 25 Kilogramm Schlick! Auf diese Weise schaufeln alle Wattwürmer des Wattenmeeres Nährstoffe von unten an die Oberfläche und reichern den Boden unten mit Sauerstoff von oben an.

2. Muscheln

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Viele der Muscheln vergraben sich mit ihrem Grabfuß ebenfalls im Schlick. Sechs Arten sind im Wattenmeer häufig, am häufigsten wohl die Herzmuschel (Bild oben). Im Mai geben die Weibchen bis zu 50.000 Eier ins Wasser ab. Aus denen werden Larven und nach einem Monat schon kleine Muscheln. Wie die Wattwürmer sind auch sie zum größten Teil Futter für andere Tiere, vor allem Vögel.

Schon gewusst?

Die blauschwarzen, etwa fünf bis zehn Zentimeter großen Miesmuscheln besitzen Klebefäden. Damit können sie sogar auf weichem Wattboden leben, indem sie sich zu Abertausenden fest aneinander hängen und "Muschelbänke" bilden (Bild unten).

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3. Quallen

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Quallen haben weder Gehirn, noch Herz, Blut oder Knochen. Sie bestehen fast nur aus Wasser sowie aus etwas Eiweiß und Zucker. Quallen sind Nesseltiere und jagen mit ihren giftigen Nesselzellen, die sie bei Kontakt mit anderen Tieren abschießen. Die Kompassqualle im Bild oben brennt etwas auf der Haut, wenn du sie berührst.

 

Schon gewusst?

Die Feuerqualle oder Gelbe Haarqualle hat einen bis zu einen Meter großen Schirm und mehrere Meter lange, oft unsichtbare Tentakel. Berührst du sie im Wasser, öffnen sich die Giftkapseln. Die Haut wird rot und fängt heftig an zu brennen. Deshalb halte besser Abstand, wenn du eine siehst!

4. Krebse

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Wie Insekten tragen auch Krebse einen schützenden Panzer. Bei jedem Wachstumsschritt werfen sie den alten Panzer ab und bilden einen neuen. Wie die bis zu acht Zentimeter breite Strandkrabbe. Bei Flut frisst sie Würmer, Muscheln und sogar kleine Artgenossen. Bei Ebbe aber muss sie sich schnell eingraben, sonst wird sie selbst von Vögeln gefressen.

Schon gewusst?

Die bis zu 8 Zentimeter lange Nordseegarnele kannst du sie zu Hunderten durch flaches Wasser flitzen sehen – und sie manchmal auch fühlen, wenn du dort barfuß einen Moment stehenbleibst.

5. Fische

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Im Wattenmeer gibt es etwa 70 Fischarten. Das Watt eignet sich besonders gut für Jungfische und ist so etwas wie die „Fisch-Kita“ der Nordsee.

Am bekanntesten sind Plattfische wie die Scholle, die Seezunge und die Flunder. Sie sind extrem flach, können sogar ihre Hautfarbe der Umgebung anpassen und sich eingraben. Dadurch werden sie fast unsichtbar.

Schon gewusst?

Als Babys sind die Plattfische noch gar nicht platt und sie haben, wie andere Fische auch, ihre Augen rechts und links am Kopf. Erst als Jungfische werden sie platt, zugleich „wandern“ ihre Augen, während sie wachsen, ganz allmählich auf eine Seite des Kopfes. So können sie dann bequem aus dem Sand nach Würmern, kleinen Krebsen und Fischen Ausschau halten.

6. Vögel

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Das Vogel-Paradies

Besonders für Vögel gibt es im Wattenmeer reichlich zu fressen und Feinde sieht man schon vom weitem – idealer geht’s nicht, um hier als Zugvogel zu rasten, als Brutvogel zu leben oder zum Mausern zu landen.

Schon gewusst?

Etwa 70 Vogelarten kommen häufig im Wattenmeer vor.

© Peter Prokosch / WWF

Zweimal im Jahr kommen über 10 Millionen Zugvögel auf dem Weg zu ihren nördlichen Brutgebieten oder südlichen Winterquartieren hier vorbei. Alpenstrandläufer (Bild oben), Knutts, Küstenseeschwalben (rechts)  und viele andere fressen in kurzer Zeit unzählige Muscheln, Würmer und Krebse.

Aber auch im übrigen Jahr sind immer viele Vögel da. Im Frühling und Sommer sind es allein eine Million Brutvögel, die vor allem die Salzwiesen und Dünen bevölkern.

Der Schutz des Wattenmeeres als Nationalpark ist für die Vögel überlebenswichtig. Dort können sie ungestört bei Ebbe im Watt fressen, um sich Extra-Fett anzufuttern für ihren anstrengenden Weiterflug, der für viele von ihnen non-stop über Tausende von Kilometern führt! Je weniger Fett sie haben, desto weniger Energie – und damit schlechtere Überlebenschancen.

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7. Meeressäuger

Seehund

Seehund
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Kegelrobbe

Kegelrobbe
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Schweinswal

Schweinswal
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In der Nordsee sind auch Schweinswal, Seehund und Kegelrobbe heimisch. Seehunde und Kegelrobben sind leicht zu beobachten, weil sie sich gerne auf Sandbänken ausruhen. Schweinswale hingegen sind nur gelegentlich an ihrer auftauchenden Rückenflosse zu erkennen. Alle drei Arten fressen vor allem Fische – Kegelrobben und Seehunde auch Tintenfische.

Schon gewusst?

Seehund: Runder Kopf, bis zu 1,5 Meter groß und 100 Kilogramm schwer. Kegelrobbe: Kegelförmiger Kopf, bis zwei Meter lang und bis zu 300 Kilogramm schwer. Schweinswal: Bis zu 1,90 Meter lang und bis zu 80 Kilogramm schwer.

Gute Nachricht

Der WWF freut sich, dass es wieder mehr Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale im Wattenmeer gibt.

Das ganze Wattenmeer, mit Meeresflächen und Inseln, umfasst mehr als 10.000 Quadratkilometer und erstreckt sich über die drei Länder Dänemark, Deutschland und Niederlande.

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Gefahren für das Wattenmeer

Zum Beispiel durch übermäßige Fischerei, Düngemittel und Schadstoffe, den Bau von Dämmen, die Vertiefung von Flussmündungen und den wachsenden Tourismus. Eine weitere Bedrohung sind die Erdöl- und Erdgas-Förderung mitten im Wattenmeer-Schutzgebiet. Die größte Gefahr ist aber der Klimawandel. Wird es wärmer, steigt der Meeresspiegel. Dadurch könnten Wattflächen verschwinden.

Was der WWF tut

Das Wattenmeer ist heute in Dänemark, Niederlande und Deutschland geschützt, auch dank der Arbeit des WWF.

Der WWF kümmert sich darum, das Wattenmeer zu überwachen und den Menschen, vor allem Kindern, zu zeigen, wie der Lebensraum funktioniert und wie wir ihn noch besser schützen können.

© Hans-Ulrich Rösner / WWF
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Der WWF arbeitet auch daran, das die Unterwasserwelt besser geschützt wird. Zum Beispiel setzt er sich für die Einführung von fischereifreien Zonen und Fischereigeräten ein, die wirklich nur das fischen, was gefischt werden soll – und nicht wie auf dem Foto viele verschiedene Fischarten.

Der WWF will außerdem helfen, dass das Wattenmeer mit dem Meer ganz natürlich mitwachsen kann – mit Hilfe von Sand aus tieferen Nordseegebieten.

 

© Hans-Ulrich Rösner / WWF

Schon gewusst?

Im Wattenmeer gibt es auch tolle Abenteuer-Camps. Als WWF Junior kannst du dabei sein!

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