Wie viel Fleisch brauchen wir wirklich?

Eine vierköpfige Familie in Deutschland isst durchschnittlich 230 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Das ist viel zu viel – für die Gesundheit und für den Klimaschutz. Aber können Kinder gesund wachsen, wenn Familien weitgehend fleischfrei essen? Ja! Denn solch eine Ernährung ist für Kinder und Erwachsene sowie für eine nachhaltige Lebensweise das Beste!

"Jeder Bissen zählt. Veränderte Ernährungsgewohnheiten haben ein erhebliches Potenzial, um zum Schutz unserer Ressourcen, des Klimas und der Artenvielfalt beizutragen.”

Tanja Dräger de Teran, Seniorreferentin für nachhaltige Ernährung und Landnutzung, WWF

© WWF

Warum sollten wir (weitgehend) auf Fleisch verzichten?

© AGAMI Photo Agency / Blickwinkel

1

Der übermäßige Konsum von Fleisch, insbesondere von Wurstprodukten und Schweinefleisch, begünstigt eine Vielzahl von Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs. Eine überwiegend pflanzliche Ernährung macht fit!

© Frankfurter Kunstverein / Donné Beyer
© GettyImages

2

Die Aufzucht von Hühnern, Schweinen und Rindern verbraucht viele Ressourcen: Waldflächen werden gerodet, um Futtermittel anzubauen und der Wasserverbrauch ist riesig. Würden wir Wasser und landwirtschaftliche Flächen ausschließlich zur Produktion pflanzlicher Lebensmittel nutzen, könnten wir eine gesunde Ernährung für alle Menschen auf der Welt sicherstellen.

Schon gewusst?

75 Prozent der für unsere Ernährung in Deutschland benötigten Flächen werden für die Produktion von Fleisch und anderen tierischen Lebensmitteln genutzt. Zum Beispiel für den großflächigen Anbau von Soja in Brasilien.

© GettyImages
© Digital Vision / Getty Images / WWF

3

Insbesondere Rinder stoßen viel klimaschädliches Methan aus, das ein viel stärkeres Treibhausgas ist als Kohlendioxid. Die Ausscheidungen, die als Gülle auf die Felder ausgebracht werden, führen außerdem häufig zu einer Überdüngung der Böden und Verschmutzung des Grundwassers. Lange Transportwege belasten nicht nur die Tiere, sondern auch das Klima zusätzlich.

Schon gewusst?

69 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen in Deutschland gehen auf das Konto von tierischen Lebensmitteln.

4

Hinzu kommt, dass Tiere in Intensivtierhaltung oft nicht gesund und artgerecht aufwachsen, da sie kaum die Ställe verlassen, keine frische Luft atmen oder nie auf einer Wiese stehen.

Wie können Familien sich gesund und ohne Fleisch ernähren?

© GettyImages

Die gute Nachricht: Kein Fleisch zu essen ist überhaupt kein Verzicht, denn wir tun unserem Körper und der Umwelt damit Gutes und können dabei vielfältig und lecker kochen und snacken!

Hier haben wir für euch Wissenswertes und Tipps zu einer Ernährung mit wenig Fleisch zusammengestellt.

Fleischlose Ernährung ist keine Mangelernährung

© GettyImages

Viele Eltern machen sich vor allem Gedanken, ob Kinder ohne Fleisch genügend Proteine für ein gesundes Wachstum bekommen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat in einer Studie festgestellt, dass Kinder, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, ebenso gut mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt sind wie Kinder, die auch Fleisch essen. Bei allen sollte besonders auf die Versorgung mit Vitamin B12, mit Jod und mit Calcium geachtet werden, denn hier herrscht oft Mangel.

Gesund und ausgewogen ist entscheidend

© GettyImages

Die DGE empfiehlt maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche, das sind zwei bis drei Portionen. Für Kinder und Jugendliche empfiehlt sie bisher keine vegane Ernährung, weil die Datenbasis noch zu gering ist. Mit einer überwiegend pflanzlichen Kost aus viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen ergänzt um Milchprodukte, Eier und gelegentlichen Fleischkonsum liegen Familien auf jeden Fall richtig.

Auch Kinder, die wie Spatzen essen, werden groß!

© GettyImages

Kinder haben ein gutes Gefühl für ihren Körper und der holt sich, was er braucht! Auch wenn Kinder phasenweise nur Nudeln ohne Sauce essen, alles Grüne von sich weisen oder partout keine Milchprodukte mögen: Solange sie immer wieder Gelegenheit haben, Gesundes auszuprobieren, die Alternativen nicht nur Fast-Food und Süßigkeiten sind und sie nicht genötigt oder überredet werden, gegen ihr Körpergefühl zu essen, erhalten kleine Körper alle notwendigen Nährstoffe. Und irgendwann wagen sich auch die mäkeligsten Esser:innen an neue Geschmacksrichtungen!

Lieblingsgerichte sind oft sowieso vegetarisch oder vegan!

© GettyImages

Linsen (Bild) oder Nudeln mit Tomatensauce, Kartoffelsalat, ein leckeres Risotto, Kürbissuppe oder der morgendliche Obstsalat mit Müsli kommen per se ohne Fleisch oder sogar ganz ohne tierische Produkte aus.

Erstellt doch einmal eine Liste aller Lieblingsgerichte ohne Fleisch

Ihr werdet feststellen, dass da eine ganze Menge zusammenkommt. Dies ist eine tolle Basis für euren wöchentlichen Essensplan. Nach und nach kommen bestimmt viele weitere Lieblingsgerichte hinzu, wenn ihr das eine oder andere aus dem Gemüsekochbuch oder von einer der vielen Webseiten mit vegetarischer und veganer Ernährung ausprobiert.

Rezepte und Tipps zum Ausprobieren

© GettyImages

Bei der WWF Familienzeit und bei WWF Junior (über "Rezepte" oben) sowie bei der WWF Jugend und auf WWF.de findet ihr viele tolle leckere und nachhaltige Rezepte, die Klein und Groß schmecken.

Tipp

Das planetarisch-kulinarische Wochenmenü bietet Ideen und Rezepte für eine ganze Schlemmerwoche mit leckeren und klimafreundlichen Rezepten.

Fleischlose Alternativen ausprobieren

© GettyImages

Mittlerweile gibt es in jedem Supermarkt fleischfreie Alternativen zur gewohnten Wurst, zum Schnitzel oder Steak – probiert einfach einmal aus, wie euch Seitan, Tofu, Tempeh oder auf Lupinen basierende Alternativen schmecken und welche Zubereitungsart euren Geschmack trifft. Am besten nutzt ihr Produkte, die noch nicht verarbeitet wurden. Hülsenfrüchte sind nicht nur gesund, lecker und vielseitig einsetzbar – sondern leisten zusätzlich einen positiven Beitrag zu einer umweltgerechten und ressourcenschonenden Landwirtschaft.

Skeptisch?

Macht den Test!

Probiert doch mit Familienmitgliedern, die sich nicht mit fleischfreien Alternativen anfreunden können, mal eine Blindverkostung: Was schmeckt wirklich am besten, wenn man mit verschlossenen Augen probiert und nicht weiß, auf welchem Teller das „echte“ Fleisch liegt? Das kann überraschend und lustig sein und allen im wahrsten Sinne des Wortes die Augen öffnen!

Fleisch als Ausnahme

© GettyImages

Menschen, die einfach gern Fleisch mögen und nicht komplett darauf verzichten wollen, sollten es als etwas Besonderes betrachten. Also nicht täglich Fleisch essen, sondern vielleicht nur einmal die Woche oder zu besonderen Gelegenheiten? Wenn es dann noch nachhaltig produziert ist, dürfen Familien auch guten Gewissens mal ein Fleischgericht zu sich nehmen.

Fleisch nur, wenn es gut ist

© GettyImages

Wenn ihr Fleisch esst, sollte es am besten bio und aus der Region sein, denn dies belastet Umwelt und Tiere am wenigsten. Fast überall gibt es kleine Fleischereien oder den Kauf direkt vom Hofladen, wo man die Herkunft des Fleisches nachverfolgen und sich guter Lebens- und Aufzuchtbedingungen sicher sein kann. Natürlich ist das etwas teurer – aber wenn ihr sonst mehr Obst und Gemüse esst, bleiben eure Gesamtausgaben gleich.

Richtig nachhaltig: Wild!

© Ralph Frank / WWF

Das nachhaltigste Fleisch ist Wildfleisch aus heimischen Wäldern. Wildschwein und Reh, Hase und Kaninchen wachsen artgerecht in freier Natur auf. Sie haben in Deutschland aber keine oder zu wenig natürliche Feinde, weshalb in vielen Regionen die Population durch Jagd reguliert werden muss. Wildfleisch direkt von örtlichen Jäger:innen oder Metzger:innen zu beziehen, ist nachhaltig, lecker und oft auch günstig.

Hier kommen drei tolle Rezepte für einen fleischfreien Tag

Am besten gleich einmal ausprobieren!
© GettyImages

Fit am Morgen – Bananen-Beeren-Porridge

© Tobi Dahmen / WWF

Ihr braucht für 4 Portionen:

  • 160 g Haferflocken
  • 4 Bananen
  • Beeren und anderes frisches Obst
  • 4 EL Naturjoghurt
  • 4 TL Honig oder Agavendicksaft (optional)
  • 300 ml Wasser 
  • 300ml Kuh- oder Pflanzenmilch

So geht’s: Wasser und Milch in einen Topf geben und kurz aufkochen. Bananen und Beeren kleinschneiden, mit dem Honig in den Topf geben und ein paar Minuten mitköcheln lassen. Zum Schluss die Haferflocken hinzugeben und bei niedriger Hitze bis zur gewünschten Konsistenz kochen.

Frischer Snack für Schule und Arbeit – Mohnbagel mit Tomate

© Tobi Dahmen / WWF

Ihr braucht für 4 Bagels:

  • 4 Mohnbagels
  • 4-8 Scheiben Tomaten
  • 4 Salatblätter
  • 150 g Frischkäse
  • Salz und Pfeffer
  • 1 Spritzer Zitronensaft

So geht’s: Verrührt den Frischkäse mit etwas Salz, Pfeffer und einem Spritzer Zitronensaft. Anschließend könnt ihr den Salat und die Tomaten waschen und schneiden. Die Bagels werden halbiert, mit Frischkäse bestrichen und mit den Tomatenscheiben belegt. Zum Schluss pro Bagel ein Salatblatt und die Oberseite des Bagels auflegen. Für kleine Münder in zwei Hälften schneiden und zum Beispiel in ein nachhaltiges Bienenwachstuch einwickeln.

Familienmahlzeit Abendessen – Grüner Burger ...

© Tobi Dahmen / WWF

... mit Chips am Stiel ...

© Tobi Dahmen / WWF

... und schnellem Ketchup plus Kräuter-Dip

© Tobi Dahmen / WWF
Mehr Tipps zum fleischlosen Essen gibt es im neuen Booket von "Meine Familie & ich" – außerdem ein Interview mit WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger de Teran. Das Booklet ist ab 9. Februar im Kassenbereich von Supermärkten erhältlich. Es kostet 3,79 Euro.
Noch mehr tolle Rezepte stehen im WWF Jugend Vegan Kochbuch

Wer rettet unsere Welt? Wir machen das gemeinsam. Jeden Tag!

© iStock / Getty Images
Familienzeit-Gewinnspiel
Earth Hour Challenge